Innenraum St. Peter & Paul

Der Innenraum

Ob die zahlreichen spätgotischen Statuen, die vor allem entlang der Langhauswände aufgestellt sind, den Brand der Kirche überdauert haben oder aus profanierten Kirchen und Kapellen der Stadt stammen, ist mangels urkundlicher Belege nicht mit Sicherheit feststellbar.



Neuerdings wurde versucht, eine der Skulpturen des Brautportals der Südseite als Teil des spätgotischen Hochaltares (und damit den heutigen St. Gregor als ehemaligen St. Petrus) zu deuten. Dieser Hochaltar wurde 1517 (oder 1507) in Auftrag gegeben und 1521 im Chor aufgestellt; eine Notiz über den Vertrag mit dem Bildhauer Matthäus Weinman befindet sich im Kirchenarchiv.


Dreikönigsschrein


Vor mittlerweile über zehn Jahren wurde die Gruppe der drei Könige erstmals wissenschaftlich untersucht und in den größeren Zusammenhang einer zusammengehörigen Werkgruppe weiterer gotischer Skulpturen aus der Region gestellt, die ein Entstehen in Weil der Stadt nahe legen. Jahre später in den Berichten und Mitteilungen des Heimatvereins Weil der Stadt veröffentlicht, hat man die Anregung des Autors, die Gruppe in einem zu rekonstruierenden Altar zusammen zu führen, seitens der Kirchengemeinde, namentlich Herrn Pfarrer Barth, mit großem Engagement aufgegriffen. Ein maßstäbliches Modell des Schreins wurde von Herbert Barta, der das Projekt von Beginn an tatkräftig unterstützte, handwerksgerecht in Massivholz umgesetzt und jüngst konnte der Schrein in der Kirche montiert und die Alarmanlage installiert werden. Seit vielen hundert Jahren präsentieren sich die Figuren nun erstmals wieder in dem Zusammenhang, für den sie ursprünglich gemacht waren.
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Die Gruppe wird um 1420-30 entstanden sein. Kunstgeschichtlich ordnet man sie dem so genannten Weichen oder Internationalen Stil zu. Vollständige Gruppen dieses Alters sind außerordentlich selten auf uns gekommen und die Kirchengemeinde Sankt Peter und Paul präsentiert mit Stolz und Freude dieses weitere Kleinod ihres ohnehin bemerkenswerten Bestands an bedeutenden Kunstgegenständen. 

Dr. Heribert Sautter 
Die Gruppe wurde am 24. September 2005 nach Restaurierung von Pfarrer Hermann Barth unter  Beteiligung der Kirchenengemeinde feierlich enthüllt.
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Die Kreuzwegstationen

Außerdem zieren die Wände vierzehn gemalte (Öl auf Leinwand) barocke Kreuzwegstationen, die zu dieser Zeit in jede katholische Kirche aufgenommen wurden, um die Gläubigen zum andächtigen Nachvollzug des Leidenswegs des Herrn anzuleiten.


Die Kanzel

Ein vollendetes Werk des Rokoko ist die Kanzel , entstanden 1742. Ihre geistvolle Originalität und die Genialität ihrer schwungvollen Komposition werden vor allem bei einem Vergleich mit konventionellen Kanzeln des Barock deutlich: Ein Gestaltungsprinzip des Rokoko wurde hier konsequent verwirklicht, nämlich der Sieg der künstlerischen Idee über die Trägheit des Gewöhnlichen und der Triumph der künstlerischen Phantasie über das Konventionelle und Alltägliche. Alles ist in Bewegung begriffen, die Gerade ist ebenso konsequent vermieden wie alle übri-gen geometrischen Grundfiguren; spielerisch durchdringen sich die Linien, fast schwerelos schweben die - vorzüglich und elegant gearbeiteten - Figuren am Kanzelkörper.



Sie repräsentieren das Evangelium und die Lehre der Kirche, die von hier aus verkündigt wurden; am Kanzelkorb die Symbole der vier Evangelisten mit aufgeschlagenen Evangelienbüchern, auf dem Baldachin die vier Großen lateinischen Kirchenlehrer - zuoberst St. Hieronymus, darunter (von links nach rechts) die Heiligen Augustinus, Gregor der Große und Ambrosius, unter dem Baldachin der Heilige Geist als Taube, dazwischen noch Engel und Putten.
Der Entwurf zur Kanzel stammt von einem Bruchsaler Bildhauer (vermutlich Johann Valentin oder Gottfried Bernhard Götz), die Bildhauerarbeiten von Josef Höchstettei; die Schreinerarbeiten von den Weil der Städter Kunstschreinern Steiner.
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Die Osttürme und die Glasfenster



Als letztes Relikt der ehedem umfangreichen neogotischen Ausstattung - die, genauso unnachsichtig wie sie die barocken Stücke verdrängt hatte, selbst nach nur etwa siebzig Jahren wiederum durchgreifenden Renovierungsmaßnahmen zum Opfer fiel - steht im Chor noch das Chorgestühl von freilich ausschließlich handwerklicher Qualität.
Einen unter mehreren Aspekten ausgesprochen bemerkenswerten und interessanten Ausstattungszyklus aus neuerer Zeit bergen die beiden Kapellen der Osttürme. Geschaffen wurde er teils noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1940/41, teils auch in der Notzeit kurz nach seinem Ende von dem Künstlerehepaar Josef Karl Huber, nach dem Kriege als freier Künstler mit einem Lehrauftrag an der Kunstakademie in München tätig, und Hildegard Huber-Sasse. Er umfasst zwei Farbglasfenster; die Ausmalung der Gewölbezone mit Fresken, den Deckel des Taufsteins (mit Fisch) sowie ein Mosaik in der östlichen Blendarkade des Nordturmes. Berühmtheit erlangt hat vor allem das Fenster am Südturm (1940, Jokarl Huber), das Begebenheiten aus der Zeit des öffentlichen Wirkens Jesu wiedergibt: In der Szene der Versuchung Jesu trägt der Teufel unverkennbar die Züge Adolf Hitlers - ein mutiges Zeugnis kirchlichen Widerstandes nicht nur Hubers, sondern auch des damaligen Stadtpfarrers August Uhl gegen den Nationalsozialismus.
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