Bericht 2007

Jahresrückblick 2007


Liebe Mitchristen von St. Peter und Paul in Weil der Stadt, Maria Königin in Merklingen und allen Teilorten,

es ist Tradition in Weil der Stadt, dass zum Jahresende, statt einer Predigt, ein Jahresrückblick durch den 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderates erfolgt. 

Auch im abgelaufenen Jahr gab es wieder Katastrophen wie das Sturmtief Kyrill in Europa und den Tropensturm Sidr in Bangladesch. Auch Erdbeben, Erdrutsche  und ausgedehnte Waldbrände wie in Griechenland oder in Kalifornien bedrohten die Bevölkerung und kosteten viele Menschenleben. Der Weltklimarat hat in mehreren Berichten die Szenarien zum Klimawandel geschildert und sie für „schlimmer als im Science-Fiction-Film“ bezeichnet. In Deutschland wurde der Ausdruck „Klimakatastrophe“ zum Wort des Jahres 2007 gekürt. Es ist allerhöchste Zeit, dass jeder etwas tut, um weniger Energie zu verbrauchen und den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu vermindern. 

Wir leben in einer sehr unruhigen Welt. Schwere Bombenattentate im Irak und anderswo sind bereits zur Tagesordnung geworden. Friedensabsprachen zwischen Hamas und Fatah halten nur 4 Monate, dann herrscht wieder Bürgerkrieg im Gazastreifen. Auch die letzte Nahostkonferenz in Annapolis scheint keine Wende zu bringen. 

In Deutschland brachte das Jahr 2007 für uns erst einmal eine Mehrwertsteuererhöhung um 3 Prozent sowie eine kräftige Steigerung der Rohstoff- und Energiepreise. Damit einhergehend ein starker Anstieg der Lebenshaltungskosten. Trotzdem hielt der Wirtschaftsaufschwung an und die Arbeitslosenzahlen sanken seit Mai dauerhaft unter die 4 Millionengrenze. Letzteres ist eine erfreuliche Entwicklung. Sie sollte jedoch auch einhergehen mit Löhnen, welche es den Menschen ermöglicht den Lebensunterhalt zu bestreiten und nicht dazu beitragen, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht. 

Ständig kämpfen wir mit Konflikten, wie Rente mit 67, Rauchverbot, Ausbau der Kleinkinderbetreuung, Bahnstreik oder der Krise an den Finanzmärkten. Selbst der Besuch des Dalai Lama in Deutschland und der Empfang durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel löste in China politische Reaktionen aus. Auch die Wortmeldung im Juli von Papst Benedikt zur Definition von „Kirche“ hat unter Deutschlands Christen heftige Debatten ausgelöst. Vor allem unsere evangelischen Mitchristen hat diese, bereits im Jahr 2000 veröffentlichte und jetzt wiederholte Definition und Formulierung tief verletzt und sehr traurig gemacht. Ein Beharren auf einseitigen Formulierungen und deren ständiges Wiederholen bringt uns in der Ökumene nicht weiter. Es ist gut, dass es hier in Weil der Stadt und den Teilorten nicht lange diskutiert wurde sondern wir gemeinsam, den eingeschlagenen Weg, ein gutes Miteinander der katholischen und der evangelischen Kirche, fortsetzen wollen. Lassen wir uns hier nicht von oben beirren. 
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Noch vor einem Jahr waren wir mit unserer Kirchengemeinde mitten in der Vakanzzeit. Als Administrator war Pfarrer Dr. Dietmar Rollny aus Leonberg eingesetzt. Mitte März endete seine Aufgabe durch den Amtsantritt von Pfarrer Stefan Sellinger. Ich möchte an dieser Stelle nochmals einen sehr herzlichen Dank an Pfarrer Rollny aussprechen für seinen hohen Einsatz und die Liebe, mit welcher er den Dienst bei uns verrichtet hat. Ebenso möchte ich mich auch nochmals bei Pfarrer Adelino Kanjengenga Afonso aus Angola bedanken, welcher ebenfalls in der Vakanzzeit und noch darüber hinaus pastorale Aufgaben übernommen hat.  

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Gegensatz zu anderen Kirchengemeinden nur eine sehr kurze Vakanzzeit zu überbrücken hatten. Die Generalsanierung der Pfarrerswohnung und der Diensträume konnte rechtzeitig abgeschlossen werden, so dass  der Einzug innerhalb des geplanten Terminfensters erfolgen konnte und am 18. März die feierliche Investitur von Pfarrer Stefan Sellinger in der Stadtkirche St. Peter und Paul statt finden konnte. Sein Auftrag durch unseren Bischof Gebhard Fürst lautet: die Seelsorgeeinheit Weil der Stadt – Grafenau weiter zu entwickeln sowie die Verantwortung als Pfarrer zur Verkündung der Frohbotschaft, der Feier der Liturgie, zur Spendung der Sakramente und zum Erhalt des Friedens in der Gemeinde wahrzunehmen. Dieser Auftrag verpflichtet uns alle gleichermaßen.  

Das Thema Seelsorgeeinheit hat sich für unsere Kirchengemeinde schneller aufgetan als alle es erwartet haben. Überraschend hat sich in Grafenau Pfarrer Werner Bayer Mitte des Jahres entschlossen, in den Ruhestand zu gehen. Die Umsetzung der bereits im Dezember 2000 vertraglich vereinbarten Seelsorgeeinheit Weil der Stadt – Grafenau steht somit an in die nächste Phase zu gehen. In dieser Phase IV geht es nun um die Ausgestaltung und Erprobung der Zusammenarbeit sowie der Bildung und Regelung von sinnvollen, aufeinander abgestimmten Arbeitsfeldern.
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Keine Angst! -  Die Umsetzung muss nicht schon morgen abgeschlossen sein!  

Es ist sehr wichtig, dass zu Beginn erst einmal eine Bestandsaufnahme erfolgt. Anschließend eine entsprechende Würdigung und Abwägung des Vorhandenen, gefolgt von der Einbringung neuer Ideen und Verbesserungen. Dies alles unter Berücksichtigung von vorhandenen Regeln und Leitlinien für die Seelsorgeeinheiten sowie Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der handelnden Personen. 
Eine solch weitreichende und umfassende Aufgabe kann nicht von einer einzelnen Person gestemmt werden. Dazu bedarf es verschiedener Gruppen, wie dem Pastoralteam, dem Kirchengemeinderat und vor allem der Einbeziehung und Mitwirkung der betroffenen Gemeindemitglieder aus den bisherigen, getrennten Pfarreien. Es müssen Personen gefunden werden, welche sich in Arbeitskreisen einzelnen Themen annehmen, Lösungsansätze erarbeiten und zur Entscheidung durch den Kirchengemeinderat bzw. eines noch zu bildenden gemeinsamen Ausschusses vorbereiten. In Grafenau muss hierzu noch im Frühjahr die Wahl eines KGR zu erfolgen, welcher das derzeitige Verwaltungsgremium ablöst. Auch der neue Pfarrvikar Herbert Gube wird erst Anfang Mai 2008 seinen Dienst antreten. Wir haben einen Weg vor uns, den andere Seelsorgeeinheiten in den vergangenen sieben Jahren bereits beschritten haben. Lernen wir aus den positiven wie auch negativen Erfahrungen dieser Gemeinden und überstürzen nichts. Als ersten Schritt trifft sich der KGR aus WdS und das Verwaltungsgremium aus Grafenau am 19. Januar 2008 zu einem Informationsvormittag über die Grundlagen und Leitlinien in einer Seelsorgeeinheit. Seelsorgeinheiten fallen nicht vom Himmel. Sie müssen gestaltet werden. Von all denjenigen, die dem Hause Gottes unter den Menschen eine Zukunft geben wollen und die ein Interesse daran haben, dass die Verkündigung des Evangeliums und der Dienst der Menschen untereinander auch morgen noch eine Chance haben. 

Erste Ansätze im Sinne der Bildung einer Seelsorgeeinheit ergaben sich bereits Mitte des vergangenen Jahres. Nach dem Weggang der Gemeindereferentin Frau Raphaela Wagner hat Frau Gerta Kotterik als neue Gemeindereferentin diese Aufgabe in Teilzeit, jedoch umfassend für die SE übernommen. Ebenso wird die Organisation der Firmvorbereitung ganzheitlich durch unseren Pastoralreferenten Heinrich Lutz durchgeführt. 

Eine weitere Veränderung  ergab sich durch den Weggang von Frau Tanja Greb als Familienpflegerin, die eine neue Stelle in Herrenberg gefunden hat. In einer Feierstunde wurde sie im Dezember verabschiedet. An dieser Stelle möchte ich ihr nochmals im Namen der Kirchengemeinde unseren herzlichen Dank aussprechen für ihre liebevolle und aufopfernde Tätigkeit in mehr als 13 Jahren. Neben den personellen Veränderungen gab es natürlich auch noch andere wichtige Ereignisse in der Gemeinde. Ich möchte nur einige wenige aufzählen. 
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Anfang Dezember konnte der Vertrag über die neue Sozialstation in Weil der Stadt abgeschlossen werden. Die Gründungsmitglieder sind neben der Stadt Weil der Stadt, die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung sowie die 5 Evang. Kirchengemeinden in Weil der Stadt und die Kath. Kirchengemeinde WdS. Die Neugründung der Sozialstation wurde intensiv durch ein Arbeitsteam vorbereitet, welchem von Seiten der kath. Kirche Frau Sonnhild Girrbach und Herr Herbert Bergold angehörten. Diese beiden haben in hervorragender Weise die Interessen der Kirchengemeinde vertreten. An dieser Stelle einen sehr herzlichen Dank für all ihre Mühen und den Kampfgeist, diese soziale Einrichtung auch im Sinne der Kirche zu gestalten und dies in der Präambel zum Gesellschaftervertrag festzuhalten. 

Für den Kindergarten St. Christophorus wurde ein Profil erarbeitet. Dazu gehören das Leitbild: „Ein Stück Lebensweg gemeinsam gehen“, ein Qualitätssystem und pädagogische Konzepte sowie der Orientierungsplan, welcher 2006 für Baden-Württemberg veröffentlicht wurde. Hierin werden die Bildungs- und Entwicklungsfelder aufgezeigt sowie ein Qualitätsmanagement für die Prozesse eingefordert. Wir sind hier vorbildlich unterwegs. Dies zeigt sich auch an der Auslastung der Kindergartenplätze und der Zufriedenheit der Eltern mit den Inhalten. Herzlichen Dank an das Team und Frau Escher-Ostermeier für ihre Arbeit.  

Auch die beiden Second-hand-Kleideraktionen  waren wieder ein voller Erfolg. Es wurden über 4.500 Kleidungsstücke an bedürftige Personen abgegeben und somit wiederum ein großer Spendenbetrag für soziale Einrichtungen zusammen getragen. Über 50 Frauen haben diese Leistung erbracht. Herzlichen Dank. 

Ebenso war die Sternsingeraktion überaus erfolgreich. Sie brachte weit über 30.000 € an Spendengeldern ein. Empfangen Sie auch in den kommenden Tagen  die Sternsinger wieder herzlich, damit die nunmehr 50. Aktion ein voller Erfolg wird.
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Bei einem Jahresrückblick darf natürlich nicht ein Blick auf die Statistik fehlen:  

Die Katholikenzahl in Weil der Stadt und ihren Teilorten nimmt weiterhin ab. Mitte Dezember 2007 waren es nur noch 5469. Damit wiederum knapp 50 weniger als Ende 2006. Merklingen und Münklingen sind noch moderat gewachsen, jedoch in Hausen und WdS sind es zusammen 70 weniger. Davon allein in WdS 63 weniger. Die Steuerzuweisungen für den Haushalt 2007 wurden aufgrund der gesunkenen Katholikenzahl und der verminderten Basis bei der Steuerkraft des Dekanats um fast 35.000 € gekürzt. Das sind fast 10 Prozent weniger. Die Anzahl der Taufen fiel mit 28 auf den niedrigsten Stand der letzten 10 Jahre. In 2001 hatten wir noch eine Spitze mit 67. Die Zahl der Trauungen unterliegt seit Jahren starken Schwankungen. In der Bandbreite zwischen 12 und 25. Im abgelaufenen Jahr waren es deren 16. Die Zahl der Beerdigungen schwankt seit längerem zwischen 42 und 60. In 2007 mussten wir von 49 Gemeindemitgliedern Abschied nehmen. Bei der Erstkommunion lagen wir mit 53 weit unter dem Schnitt von 67 der vergangenen Jahre. Für 2008 zeichnet sich hier jedoch wieder ein Anstieg ab. Einzig bei der Anzahl der Firmlinge ist eine bemerkenswerte Steigerung zu erkennen. Waren es 2001 nur 11. So ist die Anzahl bis 2007 fast kontinuierlich auf 68 angestiegen. 

Eine Fehlanzeige müssen wir in 2007 bei den Eintritten in die kirchliche Gemeinschaft verzeichnen. Dafür sind jedoch leider die Austritte wiederum angestiegen und erreichten mit 30 fast wieder die Spitzen von 2000 und 2001. Damals waren es 33.  

Ein weiteres Alarmsignal zeigen die stark gesunkenen Kirchenbesucherzahlen. An den beiden Zählsonntagen in 2007 waren es zusammen 838 Kirchenbesucher. Das ist eine Abnahme von fast 25 %. In den beiden Vorjahren waren es jedoch auch schon jeweils knapp über 10 % weniger. Ist dies Zufall oder ein Trend? Allgemein gehen die Besucherzahlen zurück, jedoch einen solch starken Rückgang hatten wir in den letzten 25 Jahren noch nie zu verzeichnen.  

Zum Schluss möchte ich allen ein herzliches Vergelt’s Gott sagen, welche hauptamtlich oder ehrenamtlich mitarbeiten und ihr Wissen, ihr Können und ihre Fähigkeiten dort einbringen, wo sie gebraucht werden. Ich möchte jetzt nicht die Dienste einzeln aufführen, denn in einer lebendigen Kirchengemeinde gibt es sehr viele Aufgaben. Dies zeigt sich alljährlich beim Mitarbeiterfest, an dem bis zu 150 Gemeindemitglieder teilnehmen. Alle tragen mit ihrem Tun dazu bei, dass wir eine lebendige Gemeinde sind und dies auch in Zukunft bleiben wollen. 

Besonders danken möchte ich noch den derzeitigen Hauptamtlichen: Pfarrer Stefan Sellinger, den Pastoralreferenten Annegret Hiekisch und Heinrich Lutz, der Gemeindereferentin Gerta Kotterik, der Pfarrsekretärin Gudrun Schmidt, den beiden Kirchenpflegern, den Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen sowie den Aushilfen Pfarrer Nann, Adelino, und Dr. Rollny sowie dem derzeitigen Administrator für Grafenau, Herrn Dekan Kaufmann. 

Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr viel Freude, Gesundheit an Leib und Seele, viel Kraft sowie offene Herzen für das Neue, das auf uns zukommt. Sind wir Willens zu einer guten Zusammenarbeit, auch mit den Brüdern und Schwestern in Grafenau. Schenken wir einander Vertrauen und Versöhnung, damit die Kirchengemeinde St. Peter und Paul im christlichen Glauben und Tun weiter wachse.  

Albert Heimpel, 2. Vorsitzender des KGR

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