Bericht 2006

Jahresrückblick 2006


Liebe Mitchristen von St. Peter und Paul in Weil der Stadt, Maria Königin in Merklingen und allen Teilorten,

es ist Tradition in Weil der Stadt, dass zum Jahresende, statt einer Predigt, ein Jahresrückblick durch den 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderates (KGR) erfolgt. In den letzten 10 Jahren hat dies Jo Graff in hervorragender Weise getan. Nun habe ich dieses Amt übernommen. Als Katastrophenjahr, aufgrund der Folgen des fürchterlichen Tsunami in Südostasien oder das schwere Erdbeben in Pakistan, war das Jahr 2005 in die Geschichte eingegangen. Auch in 2006 gab es wieder Erdbeben, Erdrutsche und Taifune, jedoch, Gott sei Dank, nicht mit der gleichen riesigen Anzahl an Toten. In Deutschland hatten wir ebenfalls Unglücke zu beklagen, wie den Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall, den Unfall des Transrapid im Emsland oder die „Fast-Katastrophe" mit den Kofferbomben in Dortmund. Andere Ereignisse, wie die Vogelgrippe mit dem H5N1-Virus machten im Frühjahr von sich reden und im Herbst erregten dann die Nachrichten von den „Gammelfleischfunden" die Gemüter.

Glücklicherweise gab es aber auch erfreuliche Dinge und da kommt man an einem Ereignis in 2006 nicht vorbei: an der Fußball-WM. Wir wurden zwar nicht Weltmeister, aber die Euphorie, die Gastfreundschaft und ein wieder entdecktes Vaterlandsgefühl waren schon einmalig. Nebenbei erfuhr auch die Wirtschaft einen Schub nach oben, welcher auch hoffentlich noch in 2007 anhält und uns die Chance gibt, dass die Arbeitslosenzahlen dauerhaft unter die 4 Millionengrenze sinken könnten. Im kirchlichen Bereich schauen wir natürlich, bedingt durch unseren deutschen Papst Benedikt XVI., verstärkt nach Rom. Zu Anfang des Jahres hat seine erste Enzyklika „Deus caritas est" – „ Gott ist Liebe" uns mit ungewöhnlicher Milde überrascht. Er hat hierin die zentrale Bedeutung der Liebe im Christentum betont und uns Mut gemacht , die Liebe Gottes zu den Menschen auch auf die Menschen untereinander zu übertragen. Diese Aufforderung hatte ihre besondere Aktualität in dem wieder aufflammenden Karikaturenstreit und dem Aufruf im Namen Gottes zu Hass und Gewalt in der Welt durch islamische Extremisten. Es drohten hier Anfang des Jahres, die Beziehungen zwischen den Christen und den Muslimen zu einem Desaster zu werden. Auch die Aussagen eines byzantinischen Kaisers, welche Papst Benedikt in der Regensburger Kathedrale am 12. September zitierte, gossen nochmals Öl in das Feuer.

Alle Worte des Bedauerns seitens Papst Benedikt XVI. und der Hinweis, dass es sich um ein Zitat und nicht um seine Einstellung zum Islam handelte, bewirkten wenig. Doch kurz vor Weihnachten gelang es ihm, im Rahmen seiner Türkeireise, bei den Gesprächen mit den Religionsführern, dem Besuch und dem Gebet in der Istanbuler Moschee, ein eindruckvolles Zeichen für die gemeinsame Verantwortung beider Religionen in der Welt zu setzen. Die Gespräche mit den höchsten Religionsführern des Islam geben Anlass zu der Hoffnung, dass künftig miteinander und nicht übereinander geredet wird. Bis zu einem Dialog ist es jedoch noch ein weiter Weg. Dies gilt auch für die Annäherung zur Ostkirche, welche Papst Benedikt mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, in Gesprächen und einer gemeinsamen Feier anzustoßen versuchte.

Kommen wir nun nach Weil der Stadt. Als ich im Januar mein Amt als 2. Vorsitzender des KGR übernommen habe, habe ich, und einige andere mit mir, schon geahnt, dass es eine besondere Amtszeit werden könnte. Dass sich jedoch die Ereignisse in Weil der Stadt so rasch entwickeln würden, hatte niemand gedacht.
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Das Jahr 2006 war für die Kirchengemeinde St. Peter und Paul, vor allem in personeller Hinsicht, mit großen Veränderungen verbunden. Bereits im März überraschte uns unser Pfarrer Hermann Barth mit der Mitteilung, dass er sich entschlossen habe, nach fast 16 Jahren in Weil der Stadt, einer neuen Herausforderung zu stellen. Seiner Bewerbung auf die Pfarrerstelle der Seelsorgeeinheit Eschach-Neckar in Dunningen wurde seitens des bischöflichen Ordinariats sehr schnell entsprochen. Gott sei Dank durfte Hermann Barth noch bis zum Herbst bei uns bleiben und musste seine neue Stelle erst am 5. November antreten. Wie beliebt und angesehen Hermann Barth hier in Weil der Stadt bei den Verantwortlichen der politischen Gemeinde, den Vereinen, den Gemeindemitgliedern und bei den Brüdern und Schwestern der anderen christlichen Kirchen war, hat seine Verabschiedung am 24. September gezeigt. Seine mitfühlende, persönliche und doch lebensfrohe Art christlichen Glauben zu vermitteln und zu leben, werden wir sehr vermissen. An dieser Stelle sei ihm nochmals Dank gesagt für seine sehr gute seelsorgerische und befruchtende Arbeit hier in Weil der Stadt. Wir sind unter seiner Führung zu einer selbstsicheren, aktiven Gemeinde gewachsen.

Den Schock über den Weggang verstärkte noch unser Mesnerehepaar Ruth und Herbert Barta, indem sie nun den Augenblick gekommen sahen, altershalber ihre Dienstzeit in Weil der Stadt zu beenden. Sie hatten diesen Schritt schon einige Zeit angekündigt und immer wieder hinausgeschoben. Nun war für sie der richtige Zeitpunkt gekommen. Sie waren gut 15 Jahre für die Kirchengemeinde tätig und haben das Kirchenleben in St. Peter und Paul wesentlich mitgeprägt. Herzlichen Dank auch ihnen, für ihre aufopfernde und gewissenhafte Arbeit.

Leider gingen zur Jahresmitte auch turnusmäßig die beiden Ausbildungsjahre von unserem Vikar Michael Estler zu Ende. Er hatte von Anbeginn an sehr souverän die seelsorgerischen Arbeiten in unserer Kirchengemeinde verrichtet. Sein Schwerpunkt lag auf der Jugendarbeit. Seine Art und sein Einsatz kam bei der Jugend sehr gut an und so war es nicht verwunderlich, dass die Romwallfahrt und der Besuch des Weltjugendtages in Köln bei den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben werden. Auch ihm an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank.

Vervollständigen möchte ich noch, dass auch das einjährige Praktikum von Jochen Bald im Herbst zu Ende ging. Ein Ende birgt jedoch auch die Chance für einen Neuanfang. So lief der Vertrag unserer Kirchenpflegerin, Romana Walter, aus und wurde um weitere 6 Jahre verlängert. Die Mesnerstelle konnten wir wieder rasch besetzen. Frau Viola Sautter wurde vom Kirchengemeinderat ab September damit betraut und erhält außerdem Unterstützung durch Herrn Martin Steiner, welcher die notwendigen Vertretungen übernimmt. Ebenfalls neu in der Gemeinde ist Frau Raphaela Wagner. Sie konnte ab Herbst als Gemeindereferentin für ein Jahr in Teilzeit angestellt werden. Sie engagiert sich in der Kommunionvorbereitung und die ökumenischen Krabbelgottesdienste.
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Für die Zeit ohne Stadtpfarrer, auch Vakanzzeit genannt, wurde vom Bischöflichen Ordinariat als Administrator Pfarrer Dr. Dietmar Rollny eingesetzt. Ansonsten ist er Seelsorger im Krankenhaus in Leonberg. Herzlichen Dank für die Übernahme dieser zusätzlichen Aufgabe. Doch Pfarrer Rollny alleine, hätte die bestehenden Eucharistiefeiern nicht aufrecht erhalten können. Hier kam uns die portugiesische Gemeinde Sindelfingen/Calw zu Hilfe. Diese bekam durch Pfarrvikar Adelino Kanjengenga Afonso aus Angola Verstärkung. Er wohnt für ein Jahr in der freien Vikarswohnung und erklärte sich bereit, Weil der Stadt liturgisch zu unterstützen. Auch seine Bereitschaft Taufen, Trauungen und Beerdigungen zu übernehmen ist eine große Hilfe für uns. Herzlichen Dank, Adelino, wie wir ihn nennen dürfen.

Die Ausschreibung der Pfarrstelle in Weil der Stadt konnte zügig erfolgen und da Weil der Stadt eine attraktive Gemeinde ist, gab es auch innerhalb der Bewerbungsfrist mehrere Kandidaten. Unser Bischof Gebhard Fürst konnte schnell eine Entscheidung fällen und bestimmte Herrn Stefan Sellinger als neuen Pfarrer für Weil der Stadt. Seine Investitur wird am 18. März 2007 in St. Peter und Paul stattfinden. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Gegensatz zu anderen Kirchengemeinden nur eine sehr kurze Vakanzzeit zu überbrücken haben. Damit sich Pfarrer Sellinger bei uns wohl fühlen kann, wird derzeit, die in die Jahre gekommene Pfarrerswohnung im Kloster saniert.

Neben all den personellen Veränderungen gab es natürlich auch noch andere Ereignisse in der Gemeinde. Alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen und deshalb nur einige wenige, ohne eine Gewähr für Vollständigkeit.

Im Kirchengemeinderat haben wir die Erstellung eines Leitbildes für die Jugend- und Familienarbeit weiter vorangetrieben und am 1. April 2006 den ersten Entwurf mit den Vertretern aus den verschiedenen Gruppen diskutiert und verabschiedet. Die Benennung von Begleitern, welche die verantwortlichen Jugendleiter bei ihrer Arbeit unterstützen sollen, ist erfolgt. Weitere Maßnahmen sind vorerst ausgesetzt bis Pfarrer Sellinger sein Amt übernommen hat.

Außerdem hat sich der Kirchengemeinderat für die Teilnahme am Projekt Lebensraumorientierung der Diözese entschieden. Dieses Projekt versucht, angesichts zahlreicher Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld der Kirche, durch Interviews und mittels Fragebogen, Erkenntnisse zu gewinnen, wie in Zukunft praktische Seelsorge (Pastoral) in den Kirchengemeinden konzipiert und umgesetzt werden kann. Dieses Projekt wird wissenschaftlich begleitet und erste Ergebnisse werden Mitte 2007 erwartet.

Weitere Highlights waren im April die Einweihung der neuen Orgel in Merklingen durch Weihbischof Dr. Johannes Kreidler. An Pfingsten das Fest der Pfadfinder St Georg - Stamm Sankt Peter und Paul Weil der Stadt – anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens. Im November die 50-Jahr-Feier der Kolpingsfamilie Merklingen mit dem Festgottesdienst, zelebriert vom Diözesanpräses Christoph Maria Schmitz und der Weihe eines Wegkreuzes im Merklinger Ried.
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Auch die 5. Second-hand-Kleideraktion war wieder ein voller Erfolg. Ebenso wie die Sternsingeraktion, die über 30.000 € an Spendengeldern einbrachte. Nicht vergessen möchte ich die hervorragende Darbietung des Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, welches der Kirchenchor unter der Leitung von Raimund Wolf, Anfang Dezember, in St. Peter und Paul, als gelungene Einstimmung auf die Adventszeit aufführte.

Zuletzt darf bei einem Jahresrückblick natürlich nicht ein Blick auf die Statistik fehlen:

In Weil der Stadt und allen Teilorten leben immer weniger Katholiken. Zum Jahresende 2006 waren es noch 5516. Damit nochmals um 39 weniger als 2005. Der jahrelange Abwärtstrend hält somit an und wird im Haushalt 2007, neben der stark gesunkenen Steuerkraft im Dekanat Böblingen, zu weniger finanziellen Zuweisungen aus der Kirchensteuer führen.

Die Anzahl der Taufen fiel mit 44 leicht höher als in 2005 mit 40 aus. Die Trauungen gingen von 22 auf nur noch 12 zurück. Dies sind ebenso viele wie in 2003 und somit der niedrigste Wert der letzten sieben Jahre. Folgen wir auch hier dem Trend, dass immer später, oft nach Jahren des Zusammenlebens, geheiratet oder nur in eheähnlicher Gemeinschaft gelebt wird? Bei der Erstkommunion erscheint ebenfalls ein Trend nach unten erkennbar. Waren es in 2003 noch 78 oder im Schnitt der vergangenen Jahre 67 Erstkommunikanten, so waren es in 2006 nur noch 63. Einzig bei der Anzahl der Firmlinge ist eine bemerkenswerte Steigerung zu erkennen. Waren es 2001 nur 11, im Folgejahr 2002 fand keine Firmung statt, was in 2003 zu einer hohen Zahl von 46 führte, so ist die Zahl von 50 Firmlingen in 2006 auch gegenüber 2005 um 28 % und gegenüber 2004 extrem um 56 % angestiegen. Dies ist ein Folge, dass das Firmalter wieder sukzessive von 18 auf 16 Jahre zurückgeführt wird. Leider werden von den Firmlingen nur wenige in der Kirchengemeinde aktiv.

Bedauerlicher Weise haben wir auch eine Zunahme bei den Beerdigungen zu beklagen. Gestorben sind insgesamt 56 Katholiken.

Erfreuliches ist über die Kirchenaus- und -eintritte zu berichten. Bei den Austritten ergibt sich mit 26 die niedrigste Zahl, nach den Spitzen von 33 in 2001 und 2005. Allein in Weil der Stadt hat sich die Zahl der Austritte von 18 auf 9 halbiert. Bei den sieben Kircheneintritten in 2006 handelt es sich um die höchste Anzahl in diesem Jahrtausend.
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Sie sehen, es sind sehr unterschiedliche Entwicklungen zu erkennen. Man kann nicht sagen, dass die Kirchengemeinde Weil der Stadt dabei ausschließlich mit dem Trend geht.

Zum Schluss möchte ich allen ein herzliches Vergelt’s Gott sagen, welche hauptamtlich oder ehrenamtlich mitarbeiten und ihr Wissen, ihr Können und ihre Fähigkeiten dort einbringen, wo sie gebraucht werden. Ob bescheiden im Hintergrund mitwirkend oder als Person mit leitenden Aufgaben, alle sind wichtig und herzlich willkommen. Ich möchte jetzt nicht alle Dienste einzeln aufführen, denn in einer lebendigen Kirchengemeinde gibt es viele Aufgaben, angefangen von der Vorbereitung, Durchführung und Umrahmung der Gottesdienste und Andachten, der Kirchenfeste, den pastoralen und sozialen Diensten, der Gruppenarbeit bis zu der Mitarbeit in Arbeitskreisen und Ausschüssen, dem Kirchengemeinderat oder in der Verwaltung. Alle tragen mit ihrem Tun dazu bei, dass wir eine lebendige Gemeinde sind.

Besonderer Dank gilt jedoch nochmals unseren „Ehemaligen“: Pfarrer Hermann Barth, Vikar Michael Estler, dem Mesnerehepaar Ruth und Herbert Barta sowie Jochen Bald und dem derzeitigen „Team“: Pfarrer Dr. Dietmar Rollny, den Pastoralreferenten Annegret Hiekisch und Heinrich Lutz, der Gemeindereferentin Raphaela Wagner sowie unserer allzeit bereiten „Aushilfe“ Pfarrer Adelino. 

Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr viel Freude, Gesundheit an Leib und Seele und noch mehr Kraft sowie offene Herzen für das Neue, das auf uns zukommt. Bereiten wir auch unserem neuen Pfarrer Stefan Sellinger einen herzlichen Empfang und sind Willens zur guten Zusammenarbeit, damit die Kirchengemeinde St. Peter und Paul im christlichen Glauben und Tun weiter wachse.

Albert Heimpel, 2. Vorsitzender des KGR

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