Bericht 2016

Jahresrückblick 2016

Liebe Mitchristen von St. Peter und Paul in Weil der Stadt, Maria Königin in Merklingen und allen Teilorten,
ich möchte auch dieses Jahr die langjährige Tradition in Weil der Stadt weiterführen, dass zum Jahresende - statt einer Predigt - ein Jahresrückblick durch den Zweiten Vorsitzenden des Kirchengemeinderates erfolgt.

In wenigen Stunden ist wieder ein ereignisreiches Jahr vorüber.
Das Jahr 2016 hat ungewöhnlich viele Überraschungen produziert - nicht nur die Wahlen in den USA, wo ein Präsident gewählt wurden, mit dem zu Anfang des Jahres wohl kaum jemand ernsthaft gerechnet hatte, haben die Schlagzeilen bestimmt. Auch das mehrheitliche Votum in Großbritannien, die EU zu verlassen, also der „Brexit“ und die Erfolge der AfD bei mehreren Landtagswahlen, nicht zuletzt auch bei uns in Baden-Württemberg, haben viele Menschen überrascht.
Der gescheiterte Militärputsch vom Juli in der Türkei hat eine gigantische Verhaftungs- und Säuberungswelle zur Folge. Die politischen Entwicklung in der Türkei lässt befürchten, dass das dortige Regime unter Staatspräsident Erdogan mehr und mehr versucht, politisch unbequeme - weil möglicherweise Andersdenkende – in Staat und Gesellschaft und die freie Presse auszuschalten und so die eigenen Macht auszubauen, was zu Lasten der demokratischen und freiheitlichen Rechte der Bürger zu gehen scheint.

Auch 2016 gab es wieder Naturkatastrophen wie das verheerende Erdbeben im August in Mittelitalien mit fast 300 Toten oder der Überschwemmungskatastrophe im Frühjahr in einzelnen Regionen Süddeutschlands. Es gab Flugzeugabstürze und Unglücke wie das Zugunglück von Bad Aibling und den Amoklauf von München im Juli mit 12 Toten. Erneut hatten wir weltweit islamistische Terroranschläge zu beklagen. Die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, in Syrien, im Irak und in Afghanistan aber auch in Afrika dauern immer noch an.

2016 war auch das Jahr, in dem der Terror wieder nach Deutschland kam. Uns allen sind wohl noch die schrecklichen Bilder aus Würzburg, Ansbach und zuletzt Berlin in Erinnerung.
Auch andere Länder, besonders Belgien und, Frankreich – dort bleibt vor allem das Attentat von Nizza mit 86 Toten in Erinnerung -  und die USA hatten schlimmer Attacken mit vielen unschuldigen Opfern zu überstehen.

Die Geschehnisse in der letzten Silvesternacht in Köln und weitere Vorfälle im erwiesenen oder auch nur vermeintlichen  Zusammenhang mit kriminellen Flüchtlingen, wie die Ermordung einer 19-jährigen Studentin in Freiburg, haben wie kaum ein anderes Ereignis das zu Ende gehende Jahr geprägt und stellen einen Wendepunkt in der Debatte über die Flüchtlinge dar: Die Stimmung ist gekippt. Die Silvesternacht und andere schlimme Vorfälle, zuletzt die terroristischen Attacke auf den Weihnachtsmarkt in Berlin, verübt von einem abgelehnten Asylbewerber, der bisher wegen fehlender Ausweispapiere nicht hatte abgeschoben werden können, machten deutlich, dass es unter den Flüchtlingen auch gefährliche Menschen gibt und neue Probleme auftauchen.   

An der Tatsache, dass Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, religiöser oder politischer Verfolgung aber auch politischer Instabilität, wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern sind, hat sich auch dieses Jahr leider wieder nichts geändert.

Auch in diesem Jahr habe die Menschen wieder die gefährliche Flucht über das Mittelmeer auf sich genommen in der Hoffnung auf ein besseres und friedliches Leben in Europa. 
Geschätzt mindestens 5000 Menschen haben ihr Ziel nicht erreicht: sie sind etwa in der afrikanischen Wüste verdurstet oder im Mittelmeer ertrunken.

Die Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland gegenüber Flüchtlingen ist deutlich abgeebbt. Die Zahl der
Menschen, die verunsichert sind und sich mit ihren Ängsten und Befürchtungen nicht richtig wahrgenommen
und ernst genommen fühlen, ist deutlich angestiegen mit allen Folgen für die politische Landschaft in Deutschland und Europa. Auch bei uns ist die Schar der Anhänger populistischer Ideen und Haltungen stark angestiegen.    

Auf politischer Ebene stellte das Votum in Großbritannien, aus der EU auszutreten für die europäische Gemeinschaft in diesem Jahr eine noch nie gekannte Herausforderung dar. Wie diese Aufgabe zu lösen sein
wird, ist bis heute unklar. Offensichtlich wurden die Politiker davon völlig unvorbereitet getroffen.

Auch das nächste Jahr wird hochinteressant - ab Januar wird Donald Trump  in den USA regieren und im September sind Bundestagswahlen. Und in Frankreich könnte Marine Le Pen Präsidentin werden.

Es gibt nur wenige Lichtblicke: In Kolumbien endet nach fünf Jahrzehnten der am längsten geführte, noch aktive bewaffnete Konflikt der Welt.     

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor gut.
Offen wie selten ist die Frage, welche politischen Konstellationen sich als Ergebnis der Bundestagswahlen im Herbst 2017 ergeben werden. Angesichts der im europäischen Ausland aber auch in den USA  im vergangenen Jahr bei Wahlen erlebten überraschenden Entscheidungen dürfen wir gespannt sein!

Das 500. Reformationsjubiläum, das wir seit Oktober 2016 ein Jahr lang feiern, ist nicht nur ein evangelisches Ereignis. Es ist ein Aufbruch, den Gesellschaft und Kirche feiern. Wir wollen uns diesem Aufbruch nicht verschließen!
Als Katholiken haben wir uns der Tatsache zu stellen, dass die Reformation, welche durch Martin Luther ausgelöst wurde, Auswirkungen in alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens bis heute hat und auch zu Lasten der Katholischen Kirche geht.
Wir dürfen in Deutschland und insbesondere auch hier vor Ort in Weil der Stadt in einem sehr guten und lange bewährten ökumenischen Miteinander leben – das ist ein hoher Wert, den wir wertschätzen und weiter pflegen und entwickeln sollten. Ökumene muss auch praktiziert und nicht nur gepredigt werden. Wenn auch Ihnen Ökumene wichtig ist, dann kommen Sie und machen Sie mit – es gibt 2017 auch in Weil der Stadt eine Reihen von Veranstaltungen gemeinsam mit unseren evangelischen Mitchristen zum Reformationsjubiläum.  

Auf Diözesanebene ging der pastorale Entwicklungsprozess in den Gemeinden und Seelsorgeeinheiten unter dem Titel: „Kirche vor Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ weiter.
In unserer Seelsorgeeinheit werden wir dazu in den nächsten Monaten in einer ersten Phase Bilanz ziehen, innehalten und uns neu orientieren, Wir werden, zunächst in den Gremien, später aber unter Einbeziehung der gesamten Kirchengemeinde, unser Kirchen- und Gemeindebild überprüfen und dabei versuchen, Fragen zu klären, wie z.B.: Wer gehört zu uns ? Wen grenzen wir unbewusst aus? Was verstehen wir unter Kirche und Gemeinde?   

Seit Juni 2016 gibt es im Dekanat Böblingen eine neue Führungsriege: neuer Dekan ist Anton Feil, Pfarrer
der Seelsorgeeinheit Schönbuchlichtung sowie Administrator der Seelsorgeeinheit Herrenberg-Gäu.
Er  löste Dekan Karl Kaufmann ab, der nach 15 Jahren Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen für eine weitere Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung stand,

Auch in Weil der Stadt gab es 2016 bzw. wird es demnächst personelle Veränderungen geben:

•    Die neu gewählte Kirchenpflegerin Frau Tiziana Fiore übernahm nach dem Ausscheiden von Frau Buckley deren Amt im April.
•    Seit Sommer ist unsere bisherige Gemeindereferentin Cornelia Seegers nicht mehr hier tätig.
•    Ende Januar 2017 wird unser, während 26 Jahren Dienstzeit in Weil der Stadt und insbesondere in Merklingen hoch geschätzter Pastoralreferent Heinrich Lutz in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Sicherlich ein schwerer Verlust – aber wir hoffen, dass er auch während seines Ruhestands uns erhalten bleiben wird – mindestens als treues Gemeindemitglied wenn nicht sogar als Wegbegleiter und Freund. Zu unserer aller großen Freude durften wir kürzlich erfahren, dass die Stelle von Pastoralreferent Heinrich Lutz wieder besetzt werden konnte: Noch im ersten Halbjahr 2017 wird Joachim Scheu aus Weil der Stadt, der bisher als Gefängnisseelsorger in Heimsheim tätig ist, die Arbeit in unserer Seelsorgeeinheit Mittleres Heckengäu in der Nachfolge von Heinrich Lutz aufnehmen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Herrn Scheu – er ist für uns ja kein Unbekannter zumal er und seine Familie bereits in vielen Bereichen hier in der Kirchengemeinde tätig ist. 

In unserer Seelsorgeeinheit Mittleres Heckengäu hatte wir auch dieses Jahr wieder einige gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel:

- gemeinsame Sitzungen der Kirchengemeinderäte von Weil der Stadt und Dätzingen
- den „Ökumenischen Pfingstmontag“ in Merklingen
- den Gottesdienst der Seelsorgeeinheit am 24.07.16 im Garten des Gemeindehauses Weil der Stadt
- Die ökumenische Gemeindereise im August auf den Spuren von Martin Luther
- das ökumenische Abendgebet zur Eröffnung des Lutherjahres am 30.10.16

Im Kirchengemeinderat haben wir uns 2016 sowohl mit pastoralen Themen als auch mit  einer Vielzahl von organisatorischen  und baulichen Themen beschäftigt:
Exemplarisch möchte ich - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - folgendes erwähnen:

-  Die Überlegungen zum Neubau unseres Kindergartens sind weiter fortgeschritten. Sowohl die Stadt Weil der Stadt wie auch die katholische Kirchengemeinde haben in den zuständigen Gremien beschlossen, das Gebäude des Kindergartens an gleicher Stelle neu zu errichten. Der Neubau soll zur Vermeidung einer kostenintensiven Zwischenlösung mittels Container im Bereich des jetzigen Außengeländes entstehen.  Im Rahmen eines gemeinsam mit der Stadt Weil der Stadt ausgelobten Architektenwettbewerbs und unter    fachlicher Begleitung einer Wettbewerbsbetreuerin soll ein optimaler Planungsentwurf für den neuen Kindergarten gefunden werden. Im Februar 2017 werden die von 6 eingeladenen Architekturbüros eingereichten Planungsvorschläge bewertet und prämiert. Auf dieser Basis wird dann das mit der konkreten Planung und Baubegleitung betraute Architektenbüro ausgewählt und beauftragt werden. Baubeginn könnte dann im Herbst 2018 sein.   
  
-  In unserer Kirche St. Peter und Paul wird ab Januar die lange geplante Innenreinigung der Wände stattfinden. Dazu wird ein Gerüst aufgestellt, welches je nach Fortschritt der Maßnahme jeweils versetzt    wird. Wir hoffen, dass unsere Kirche dann zu Ostern 2017 wieder in alter Frische erstrahlen wird.

-  Die neue Automatik-Tür zur Erleichterung  des Zugangs am nördlichen Eingang von St. Peter und Paul konnte aufgrund einer großzügigen Spende von Pfarrer Nann realisiert werden. Sie ist installiert und arbeitet zuverlässig. Wir freuen uns sehr darüber.        

-  Die baulichen Arbeiten zur Renovierung und Umgestaltung des ehemaligen Archivraums im Obergeschoss des rechten Seitenschiffs sind im Wesentlichen abgeschossen. Der Raum soll zukünftig als Schatzkammer und Ausstellungs- und Aufbewahrungsort für Teile unseres Kirchenschatzes dienen. Die Fertigstellung einschließlich der notwendigen Ausstattung mit Vitrinen, Sicherheitstechnik, Beleuchtung usw. soll bis Mitte des nächsten Jahres erfolgen. Das gesamte Projekt wird ausschließlich durch großzügige Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert. Wir danken hierfür herzlich.     
  
-  In der Kirche Maria Königin in Merklingen gab es leider Verzögerungen bei den Vorbereitungen für die notwendige Sanierung des Chorfensters. Wir hoffen, dass 2017 endlich die Genehmigung des bischöflichen Bauamts für die beantragte Maßnahme vorliegt, damit die Arbeiten beginnen können.

Was sonst noch wichtig war:
•    der seit diesem Jahr 4-mal wöchentlich geöffnete ökumenische Tafelladen im Spital erfreut sich großer Beliebtheit und leistet einen hervorragenden Beitrag zur finanziellen Entlastung von Personen mit geringem Einkommen. Einen herzlichen Dank an alle dort haupt- und ehrenamtlich Tätigen und alle, die den Tafelladen immer wieder mit Spenden unterstützen.
•    Die Sternsingeraktion 2016 war mit einem Spendenergebnis von rund 42.600 € wieder sehr erfolgreich. Herzlichen Dank an die Organisatoren, Kinder, alle Helfer und Spender.
•    Es gab wieder die traditionelle Minifasnet in Weil der Stadt und die Gemeindefasnet in Merklingen.
•    Die Kleiderbörse unseres Sozialausschusses im Frühjahr und im Herbst im Spital brachte erneut hervorragende Ergebnisse. Dadurch ist es möglich, eine Vielzahl von Projekten oder Personen in Weil der Stadt, aber auch auf der ganzen Welt zu unterstützen. Wir danken allen Helfern und Helferinnen für ihren Einsatz und die ehrenamtliche Arbeit.
•    Die Gemeindereise im August gemeinsam mit Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinden auf den Spuren von Martin Luther.
•    Die Firmung am 11.12.16 in Weil der Stadt, bei der 61 Jugendliche gefirmt wurden
•    Das Patrozinium in Weil der Stadt mit Kirchplatzfest
•    Das Gemeindefest in Merklingen.  
•    Nach wie vor dürfen wir uns glücklich schätzen, dass unsere beiden „Ruhestandspfarrer“ Helmut Nann und Robert Widmann in unserer Gemeinde segensreich mitwirken und das Gemeindeleben bereichern. Möge dies noch lange möglich sein!
•    Unsere Erzieherinnen haben sich unter der Leitung von Frau Escher-Ostermeir und gemeinsam mit den Kindergarteneltern unseres Kindergartens St. Christophorus wiederum sehr für die Weiterentwicklung unseres Kindergartens eingesetzt und an den Überlegungen zum Neubau tatkräftig mitgearbeitet.

Noch ein Blick auf die Statistik:
•    Im abgelaufenen Jahr starben 49 Personen aus unserer Gemeinde, davon 31 aus Weil der Stadt und 15 aus Merklingen.
•    Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen auf nunmehr 40, nachdem im Vorjahr nur 35 Kirchenaustritte zu verzeichnen waren.
•    Für Weil der Stadt gab es 2016 keinen Kircheneintritt nur in Dätzingen ist 1 Person in die Kirche eingetreten.
•    Die Zahl der Erstkommunionkinder stieg geringfügig auf 47 an, während die Zahl der Firmlinge mit 61 konstant blieb in Vergleich zum Vorjahr.
•    Die Zahl der Katholiken in der gesamten Kirchengemeinde ist weiter konsequent rückläufig und liegt jetzt bei 4898 Personen.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank allen Haupt-  und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz aussprechen und ein herzliches „Vergelt´s Gott“ sagen.  

Besonders danken möchte ich unserem Pfarrer Anton Gruber und dem gesamten Pastoralteam mit Pfarrer Leszek Leja, Heinrich Lutz und unseren Pfarrern im Ruhestand Helmut Nann und Robert Widmann für ihren unermüdlichen Dienst, der Pfarramtssekretärin Gudrun Schmidt und deren Vertreterin Frau Maier, unseren beiden Kirchenpflegern Frau Fiore und Herr Kühnel, unseren Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen und deren Vertretungen, der Leiterin und allen Mitarbeiterinnen der Kath. Bücherei, den Verantwortlichen für den Treffpunkt, den Erzieherinnen im Kindergarten St. Christophorus, den Leitern der Chöre und den Organisten, allen Lektoren und Kommunionhelfern, den Ministranten, allen Mitgliedern des Kirchengemeinderats sowie allen Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse und allen sonstigen ehrenamtliche fleißigen Händen.  

Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr 2017 Gesundheit und Wohlergehen und viel Kraft und Freude an der Arbeit in und für unsere Gemeinde, Zuversicht und Vertrauen sowie weiterhin ein immer gutes und vertrauensvolles Miteinander.
Gabriele Scheerer
Zweite Vorsitzende des KGR