Bericht 2015

Bericht 2015

Jahresrückblick 2015

Liebe Mitchristen von St. Peter und Paul in Weil der Stadt, Maria Königin in Merklingen und allen Teilorten,

es ist langjährige gute Tradition in Weil der Stadt, dass zum Jahresende, statt einer Predigt, ein Jahresrückblick durch den 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderates (KGR) erfolgt.
In den zurückliegenden 10 Jahren hat dies Albert Heimpel in hervorragender Weise getan. Nun habe ich mit Beginn der Legislaturperiode des neu gewählten Kirchengemeinderats im April diesen Jahres dieses Amt übernommen.

In wenigen Stunden ist wieder ein ereignisreiches Jahr vorüber. Es war – wieder einmal - geprägt einerseits von Naturkatastrophen wie dem verheerenden Erdbeben im April in Nepal mit vielen tausenden Toten und andererseits von den Terroranschlägen in Frankreich und Tunesien, den  Kriegen in der Ukraine, im nahen Osten, in Syrien, im Irak und in Afghanistan aber auch in Afrika. Riesige und vorher nicht gekannte Flüchtlingsbewegungen über das Mittelmeer nach Europa waren die Folge.

Frankreich war im Jahr 2015 Zielscheibe einer beispiellosen islamistischen Terrorwelle: Beim Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar sterben zwölf Menschen. Bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt kamen wenig später weitere 4 Menschen zu Tode.
Am 13. November starben bei mehreren Anschlägen in Paris mindestens 130 Menschen durch islamistische Attentäter, weitere 352 Menschen wurden teils schwer verletzt. Wie alle erinnern uns an die furchtbaren Bilder und die Berichte der völlig traumatisierten Überlebenden z.B. aus dem Konzertsaal Bataclan. 

Millionen Menschen, alte und junge, sind auf der Flucht vor Krieg, religiöser oder politischer Verfolgung aber auch wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern.
Insbesondere die Lage in Syrien, wo schon seit Jahren ein Bürgerkrieg unter Beteiligung verschiedener Machtblöcke tobt, hat in diesem Jahr zu einer Fluchtbewegung bisher ungeahnten Ausmaßes nach Europa, insbesondere nach Deutschland geführt.
Die Menschen nehmen eine gefährliche Flucht über das Mittelmeer auf sich und vertrauen sich in ihrer Not skrupellosen Schleppern an. Wieder sind dieses Jahr tausende im Mittelmeer ertrunken – und wir haben wieder zugesehen. In unserem Gedächtnis bleiben zum Beispiel die Bilder des an den Strand einer griechischen Insel angeschwemmten ertrunkenen vierjährigen Kindes aus Syrien, die vielen im August qualvoll ersticken Menschen in einem Kühllaster auf der Autobahn in Österreich, aber auch die Bilder tausender Flüchtlinge auf dem beschwerlichen und gefahrvollen Weg, zumeist zu Fuß, über die sog. Balkanroute, mit dem Ziel, Aufnahme und Sicherheit und eine neue Existenz im Mitteleuropa zu finden. 
Die Flüchtlingskrise ist das bestimmende Thema der letzten Monate.
Einerseits gab und gibt es erfreulicherweise eine große Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland. Andererseits gibt es auch viele Menschen, die verunsichert sind und diffuse Ängste und Befürchtungen wegen des anhaltenden Zustroms der Flüchtlinge haben. Auch diese Bedenken müssen gesehen werden.
Wenn uns unsere christlich geprägten Werte wirklich etwas gelten, kann es wohl nur eines geben: wir haben als Christen die Pflicht und Schuldigkeit, diesen Menschen in Not beizustehen so gut wir es können!

Das Unglück des Jahres ist die Germanwings-Katastrophe im März: Beim Absturz der Maschine in den französischen Alpen sterben alle 150 Menschen an Bord. Nach allem was wir wissen, hat  der Co-Pilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht hat. Es bleibt unbegreiflich, dass es dazu kommen konnte.

Auf politischer Ebene stellte das Schuldendrama um Griechenland für die europäische Gemeinschaft in diesem Jahr eine ebenso große Herausforderung dar wie die aktuelle Flüchtlingskrise: Im Februar wird Griechenland vor dem "Grexit" bewahrt, damit ist das Schuldendrama aber nach wie vor nicht gelöst.

Die Europäische Union steht derzeit wohl vor ihrer größten Bewährungsprobe seit ihrem Entstehen:
Vor allem ost- und mitteleuropäische Staaten sperren sich gegen den im September vereinbarten Asylkompromiss, der die Verteilung von 160 000 Asylbewerbern in Europa regeln sollte.
Während einige wenige Länder einen Großteil der Flüchtlinge aufgenommen haben, wollen andere, wie Polen, Ungarn oder Tschechien nicht einmal eine Mindestquote erfüllen.
Wie ist dieser Konflikt zu lösen?
Das Ringen um eine gemeinsame Position im Umgang mit den Ländern, die sich der vereinbarten Verteilung von Flüchtlingen widersetzen, dauert immer noch an. 
Wenn es nicht schnell gelingt, dass alle Verantwortlichen in Europa zu solidarischem Verhalten zurückfinden unter Zurückstellung eigener Vorbehalte, Ängste und Befürchtungen hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen, dann ist die Europäische Union in ihren Grundfesten erschüttert und bedroht.
Noch vor einem Jahr hätte wohl niemand eine solche Entwicklung für möglich gehalten!

Es gibt aber auch Lichtblicke: Auf der Weltklimakonferenz im Dezember im Paris konnte sich die Weltgemeinschaft endlich auf ein neues Klimaschutzabkommen einigen, wonach die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad begrenzt werden soll, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten.
Die Kriegsparteien in Syrien wollen sich demnächst um eine Lösung des Konflikts bemühen.
In Deutschland sind wird von Naturkatastrophen und von Terroranschlägen glücklicherweise weitgehend verschont geblieben.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor gut, wir haben weitgehende politische Stabilität Frieden und Wohlstand. Im Vergleich zur Situation in anderen Ländern leben wird, wenn wir ehrlich sind, auf der Sonnenseite und auf einer „Insel der Glückseligen“. Das sollten wir nicht für selbstverständlich halten, sondern tagtäglich schätzen, anstatt, wie es manche tun, Befürchtungen zu hegen, man müsse vom eigenen Wohlstand zu viel abgeben und mit anderen teilen.

Was die Weltkirche angeht, so hatte Papst Franziskus im Oktober 2015 zu einer Bischofssynode unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ in Rom  eingeladen.
Es wurde diskutiert und schließlich ein Abschlussdokument verabschiedet. Manchem geht es zu wenig schnell voran bei Themen wie z.B. der Zulassung Wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion.   
Alle, die konkrete Antworten erwartet hatten, wurden enttäuscht, weil es insoweit keine klare Lösung gibt.

Aber es ist immerhin diskutiert worden und das Verständnis um die Anliegen und Probleme ist gewachsen.
Das ist eine bemerkenswerte Öffnung, die auch Papst Franziskus in seiner Abschlussrede angesprochen hat, wenn er anmerkt, dass „..die erste Pflicht der Kirche ist, nicht Strafen oder den Kirchenbann zu verhängen, sondern die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil zu führen."
Das Abschlusspapier der Synode enthält nur Vorschläge, aus denen Papst Franziskus neue Regeln machen kann. Viele sehen ihn aber nach der Bischofssynode in seinem Reformkurs bestärkt. So stellt die schwierige Einigung in Rom wohl einen großen Schritt für die katholische Kirche da - auch wenn es für die Menschheit nur ein recht kleiner zu sein scheint.
Bleibt die Hoffnung, dass Papst Franziskus die verschiedenen Strömungen in der Weltkirche zusammenführen und eine Neuausrichtung der Kirche und der Seelsorge erreichen kann.

Am 08.Dezember wurde von Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet, das aus Anlass des 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils stattfindet. Es soll eine Einladung sein, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen.

Im jetzt vergangen Jahr wurde auf Diözesanebene unter dem Titel: „Kirche vor Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ ein bis 2020 dauernder pastoraler Entwicklungsprozess in allen Seelsorgeeinheiten und kirchlichen Orten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Gang gesetzt.  
Ziel dieses Prozesses ist eine pastorale Entwicklung und Neuausrichtung der Gemeinden und Seelsorgeeinheiten vor dem Hintergrund, dass die Ressourcen knapp werden und die Notwendigkeit besteht, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und sich neu auszurichten. Möglicherweise müssen dabei alte Strukturen geändert oder Abstand von etwas genommen werden, was manchem wertvoll ist und doch nicht mehr geht.
Wie wissen alle, dass Wandlung nötig ist, um dadurch als Kirche glaubwürdig zu bleiben. Bleibt zu hoffen, dass dieser Wandlungsprozess gelingt und Früchte trägt.

In unserer Seelsorgeeinheit Mittleres Heckengäu hatte wir auch dieses Jahr wieder einige gemeinsame Aktivitäten:

- Pilgerweg durch die Seelsorgeeinheit
- zwei gemeinsame Sitzungen der Kirchengemeinderäte von Weil der Stadt und Dätzingen
- Ökumenischer Pfingstmontag in Schafhausen
- Gottesdienst der Seelsorgeeinheit am 26.07.15 im Garten des Gemeindehauses Weil der Stadt


Im März haben wir einen neuen Kirchengemeinderat gewählt. In unserer Gemeinde hatten sich dankenswerterweise 19 Personen zur Wahl gestellt bei 14 zu vergebenden Plätzen. Anders als in vielen Gemeinden, gab es also tatsächlich die Möglichkeit zur „Auswahl“.
Leider lag die Wahlbeteiligung nur bei etwa 20 %. Zwei von drei Wählern haben per Briefwahl gewählt.
 
Herzlichen Dank auch denjenigen, die nicht gewählt wurden, für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit.

Nicht mehr zur Wahl gestellt haben sich einige langjährige KGR-Mitglieder. Ich möchte an diese Stelle  nochmals ausdrücklich allen für ihr Engagement und ihren Einsatz über viele Jahre hinweg danken.    

Danken möchte ich auch dem für die Organisation und Durchführung der Wahl zuständigen Wahlausschuss und allen Wahlhelfern, ohne die die Durchführung der Wahl nicht möglich gewesen wäre.

Der neu gewählte KRG besteht erfreulicherweise auch aus einigen jüngeren Gemeindemitgliedern über deren Engagement im Gremium wir uns besonders freuen.

Im Kirchengemeinderat haben wir uns 2015, neben der Beschäftigung mit pastoralen Themen, mit  einer Vielzahl von baulichen und organisatorischen Themen beschäftigt:
Exemplarisch möchte ich - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - folgendes erwähnen:

-  Es gab intensive Überlegungen zur Gebäudebestandsentwicklung unseres Kindergartens.   
   Nach sorgfältiger Abwägung dreier vorliegender Planungsvarianten hat sich der Kirchengemeinderat
   einstimmig dafür ausgesprochen, den Planungen für einen Neubau des Kindergartens den Vorrang zu
   geben. Die Stadt Weil der Stadt hat den Bedarf für einen Neubau unseres Kindergartens bereits  
   anerkannt. Aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt Weil der Stadt ist noch offen, wann mit einer  
   Realisierung des Vorhabens gerechnet werden kann. 
 
-  In unserer Kirche St. Peter und Paul wurde der Taufstein von der rechten Seitenkapelle in die Mitte des
   Chorraumes versetzt. Die verschmutzten und vergrauten Wände der Kirche St. Peter und Paul sollen
   bald gereinigt werden.
   Der Holzboden im Bereich des renovierten alten Uhrwerks im Hauptturm wird erneuert.
   Der funktionslose Stahlträger im Bereich der ehemaligen Turmstube im Hauptturm soll entfernt werden.  
   Die Planungen und ersten Arbeiten für die Wiederherstellung des ehemaligen Archivraums im
   Obergeschoss des rechten Seitenschiffs – möglich aufgrund einer großzügigen Spende - wurden unter
   Einbeziehung des Denkmalamts und des bischöflichen Bauamts weiter fortgeführt.

-  In der Kirche Maria Königin in Merklingen wurden die Vorbereitungen für die notwendige Sanierung des
   Chorfensters vorangetrieben.

-  Es wurde beschlossen, die Aufgaben im Zusammenhang mit Personalangelegenheiten und Verwaltung
   unseres Kindergartens an eine vom Dekanat eingerichtete Zentralstelle einer Kindergartenbeauftragten zu
   übertragen.
  
-   Mit dem Amt für Jugend und Bildung des Landkreises Böblingen wurde eine Vereinbarung hinsichtlich
    der Umsetzung der Vorschriften des Bundeskinderschutzgesetzes getroffen. 

Was sonst noch wichtig war:

•    Zum Jahresbeginn erfolgte der Umzug des Tafelladens im Spital in großzügige neue Räume. Einen herzlichen Dank an alle dort haupt- und ehrenamtlich Tätigen und alle, die den Tafelladen mit Spenden unterstützen.
•    Die Sternsingeraktion 2015 war mit einem Spendenergebnis von knapp 40.000 € wieder sehr erfolgreich. Herzlichen Dank an die Organisatoren, Kinder, alle Helfer und Spender.
•    Es gab wieder die traditionelle Minifasnet in Weil der Stadt und die Gemeindefasnet in Merklingen.
•    Die Kleiderbörse des Sozialausschusses im Frühjahr und im Herbst im Spital brachte erneut  hervorragende Ergebnisse, die es uns ermöglichten, eine Vielzahl von Projekten vor Ort, aber auch auf der ganzen Welt zu unterstützen. Wir danken allen Helfern und Helferinnen für ihren Einsatz und die ehrenamtliche Arbeit.
•    Die Gemeindereise im Mai nach Zypern
•    Die Firmung am 7.6.15 in Weil der Stadt
•    Das Patrozinium in Weil der Stadt mit Kirchplatzfest
•    Das Gemeindefest in Merklingen.
•    Die Aufstellung des renovierten Uhrwerks im Hauptturm mit Ausstellung auf dem Kirchplatz 
•    Willi Bothner sammelte als Türmer auch im abgelaufenen Jahr weiter fleißig Spenden für die Renovierung der alten Türmerstube. Herzlichen Dank für seinen Einsatz.
•    Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass unsere beiden „Ruhestandspfarrer“ Helmut Nann und Robert Widmann in unserer Gemeinde segensreich mitgewirkt und das Gemeindeleben bereichert haben. Möge dies noch lange möglich sein!
•    Unsere Erzieherinnen haben sich unter der Leitung von Frau Escher-Ostermeir und gemeinsam mit den Kindergarteneltern unseres Kindergartens St. Christophorus wiederum sehr um die Weiterentwicklung unseres Kindergartens eingesetzt und an den Überlegungen im Rahmen eines eventuellen Neubaus mitgearbeitet.
      

Noch ein Blick auf die Statistik:

•    Im abgelaufenen Jahr starben 62 Personen aus unserer Gemeinde, davon alleine 44 aus Weil der Stadt und 12 aus Merklingen.
•    Die Zahl der Kirchenaustritte hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringert auf nunmehr 35.
•    2 Personen sind in die Kirche eingetreten.
•    Die Zahl der Erstkommunionkinder ging geringfügig auf 41 zurück, während die Zahl der Firmlinge mit 61 deutlich anstieg. Grund hierfür ist, dass die Feier der Firmung nur noch alle zwei Jahre stattfinden wird und deshalb zwei Jahrgänge zusammengefasst werden.
•    Die Zahl der Katholiken in der gesamten Kirchengemeinde ist weiter konsequent rückläufig und liegt jetzt bei 4938 Personen.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank allen Haupt-  und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz aussprechen und ein herzliches „Vergelt´s Gott“ sagen.  

Besonders danken möchte ich unserem Pfarrer Anton Gruber und dem gesamten Pastoralteam mit Pfarrer Leszek Leja, Heinrich Lutz und Cornelia Seegers und unseren Pfarrern im Ruhestand Helmut Nann und Robert Widmann für ihren unermüdlichen Dienst, der Pfarramtssekretärin Gudrun Schmidt und deren Vertreterin Frau Mayer, unseren beiden Kirchenpflegern Frau Buckley und Herr Kühnel, den Erzieherinnen im Kindergarten St. Christophorus, den Leitern der Chöre und den Organisten, unseren Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen und deren Vertretungen, allen Lektoren und Kommunionhelfern, den Ministranten, allen früheren und allen derzeitigen KGR-Mitgliedern und allen Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse.  

Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr 2016 Gesundheit an Leib und Seele, viel Kraft und Freude an der Arbeit in und für unsere Gemeinde, Zuversicht und Vertrauen sowie ein immer gutes und vertrauensvolles Miteinander.

Gabriele Scheerer
Zweite Vorsitzende des KGR