Bericht 2014

Jahresrückblick 2014


Liebe Mitglieder der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Weil der Stadt und Maria Königin in Merklingen.
In wenigen Stunden ist schon wieder ein ereignisreiches Jahr vorüber!
Das Jahr 2014 war  weniger von einem Tsunami, Hurrikan, Vulkanausbruch oder Erdbeben geprägt, sondern vielmehr durch die Kriege im Gazastreifen, Syrien, Irak und der Ukraine sowie Terroranschlägen in Afghanistan, Pakistan oder Nigeria durch die Taliban oder Boko Haram. Hinzu kamen noch die Hungersnot im Südsudan oder die Ebola-Epidemie in Westafrika.
Millionen Menschen, vor allem Frauen und Kinder, sind auf der Flucht. Nicht nur vor Tyrannen und deren Machtanspruch, sondern auch vor radikalen, blutrünstigen sog. Gotteskriegern, die glauben im Namen ihrer Religion zu handeln. Es herrschen Zustände wie zur Zeit der Christenverfolgung oder der Kreuzzüge. Doch die Flucht birgt weitere Gefahren: Durch geldgierige Schlepper und Seelenverkäufer ertrinken Hunderte oder Tausende im Mittelmeer.
Ist das noch eine lebenswerte Welt, wenn sich Menschen im Namen der Religion gegenseitig umbringen? Lehren nicht alle große Religionen der Welt einen Umgang in Liebe und gegenseitigem Vertrauen?
Wir brauchen unsere Blicke aber nicht sehr weit außer Landes zu lenken. Auch in Deutschland wird gekämpft. Zwar auf eine weniger brutale, tödliche Art, jedoch nutzen verschiedene Gruppierung die Lage, um Hass zu säen. Manche um ihre Aggressionen ausleben zu können, wie die Hogesa, „Die Hooligans gegen Salafisten“. Andere um ihre Abneigung gegen Ausländer zu demonstrieren, wie die Pegida, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes.
Gott sei Dank gibt es auch noch Lichtblicke!
„Nie wieder Krieg“ steht auf einer Briefmarke in unserem Land, welche zum Gedenken an den Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 herausgegeben wurde. Es wurde an den 20. Juli 1944 erinnert. Auch der Mauerfall vor 25 Jahren war ein positiver Moment. Kleine Zeichen der Vernunft, wie das Tauwetter zwischen USA und Kuba oder der Gefangenenaustausch in der Ukraine geben Hoffnung. Es gibt sie noch die guten Seiten der Menschheit. Helfen wir dabei die Welt ein klein wenig besser zu machen! Helfen wir den vielen Notleidenden in aller Welt und besonders denjenigen, die sich hier in Deutschland eine bessere Zukunft erhoffen.
Bekennen auch wir uns zu unserem christlichen Glauben und helfen wir, wo wir können. Sei es durch Mitarbeit in sozialen Organisationen, im Tafelladen, bei der Betreuung von Asylsuchenden oder Menschen in der sog. Anschlussunterbringung, die jeden Tag mit Abschiebung in eine ungewisse Zukunft rechnen müssen.
Werfen wir noch einen kurzen Blick auf unsere Weltkirche.
Papst Franziskus ist nun schon fast zwei Jahre im Amt. Sein Pontifikat steht unter dem Mantel der Nächstenliebe und der Zuwendung zu den Armen dieser Welt. Auch möchte er die Strukturen der Institution „Katholische Kirche“ erneuern. Er hat mit seinen Interviews und Reden viele Hoffnungen geweckt. Leider haben sich diese bisher noch nicht erfüllt.
Gute Ansätze gab es bei der Bischofs-Synode in Rom mit dem Thema: „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung". Es ist schon als großer Fortschritt zu bezeichnen, dass endlich offen über Moralfragen, Ehe und Sex, sowie über das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen gesprochen werden durfte und eine Fortsetzung im Jahre 2015 geplant ist. Jedoch sind die Vertreter der Traditionalisten noch in großer Zahl vorhanden. Der Papst wird hoffentlich nicht locker lassen. Auch seine jüngsten Worte an die Kurienkardinäle kurz vor Weihnachten sprachen doch eine ungewohnt deutliche Sprache. Er zählte 15 Krankheiten auf, übte Kritik an den sich unsterblich Fühlenden und sprach von mentaler Erstarrung, spiritueller Alzheimererkrankung, Geschwätz und Tratsch, Krankheit der Rivalität und Eitelkeit sowie der Titelsucht. Das sind wahrhaft neue und harte Worte. Hoffen wir, dass Papst Franziskus einen langen Atem hat und ihm die Umgestaltung der Kirche sowie eine Neuausrichtung der Seelsorge gelingt.

In der Seelsorgeeinheit (SE) hatten wir wieder einige gemeinsame Aktivitäten:

• Die Kirchengemeinderäte von Grafenau und Weil der Stadt haben sich auf einer Klausurtagung in Dätzingen mit der Arbeit der letzten 5 Jahre beschäftigt. Hierbei konnten einige Fortschritte der Zusammenarbeit erkannt werden. Zudem wurde ein Teil der Zeit als Besinnungstag genutzt, um Kraft für die eigene Seele zu tanken.
• Die gemeinsame Gemeindereise führte dieses Jahr nach Polen, in die Heimat von Pfarrer Leszek Leja.
• Es gab wieder gemeinsame Pilgerwanderungen durch Weil der Stadt, Merklingen und Dätzingen.
• Der „Ökumenische Pfingstmontag“ im Reiterstadion fand sehr großen Anklang.

Im Kirchengemeinderat (KGR) haben wir uns 2014 mit folgenden Themen beschäftigt:

• Einen Schwerpunkt bildeten die Überlegungen zu den sanierungsbedürftigen Gebäuden Kindergarten und Gemeindehaus im Rahmen der Gebäudeentwicklung. Eine ganzheitliche Lösung mit einem Neubau zusammen mit der Keppler-Stiftung kristallisierte sich unter den Sanierungs- und Neubauszenarien als vielversprechende Variante heraus. In dieser „großen Lösung“, so nahmen wir an, könnten die angestrebten Angebote für Kindergarten, Familienzentrum, Jugendarbeit, Gemeindezentrum, Tagespflege und Pflegeheim in einem gemeinsamen Haus für Jung und Alt integriert werden. Um eine belastbare Arbeitsgrundlage zu haben, wurde gemeinsam mit der Keppler-Stiftung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welche unsere Anforderungen an Raum und Flexibilität als auch die Anforderungen der Keppler-Stiftung an ein Pflegeheim sowie einer Tagespflege berücksichtigt. Ein Ergebnis der Studie ist, dass alles unter einem Dach nicht machbar ist und einige der erhofften Synergieeffekte nicht erreichbar sind. Über den Stand der Überlegungen haben wir Anfang Dezember die Gemeinde informiert. Eine Entscheidung über die Fortsetzung der Überlegungen und einen Einstieg in die Planung eines Neubaus von Gemeindehaus und Kindergarten ist noch nicht gefallen. Nach wie vor sind neben der Finanzierung noch viele offene Punkte zu klären, die zumeist nicht in unserer Entscheidungsfreiheit liegen. Auch sind die Bedenken von Gemeindemitgliedern zu berücksichtigen, welche sich gegen einen eventuellen Abriss des jetzigen Gemeindehauses ausgesprochen haben.
• Ein weiterer Schwerpunkt war die Sanierung der beiden Osttürme von St. Peter und Paul. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Leider ist dabei gegenüber Vorplanung und Vergabe eine kräftige Kostensteigerung eingetreten.
• Für das Gemeindehaus St. Augustinus konnte ab Januar 2015 ein neuer Pächter gewonnen werden. Auch die Stellen im Kindergarten und der Kirchenpflege konnten wieder besetzt werden. Leider hatten unsere Bemühungen um einen Hausmeister für das Pfarrhaus bisher keinen Erfolg.
• Zur besseren Einhaltung des Sonn- und Feiertagsgesetzes haben wir beim Ordnungsamt der Stadt Weil der Stadt eine Regelung erreicht.
• Wir haben uns mit den rückläufigen Kirchenbesucherzahlen beschäftigt, denn es kommen nur noch 5% der Mitglieder der Kirchengemeinde zu den Sonntagsgottesdiensten.
• Auch das Firmprogramm und die Situation unserer öffentlichen Bücherei standen auf der Tagesordnung.
• Überdies hat sich die Kirchengemeinde an der Bewerbung der Stadt Weil der Stadt zur Zertifizierung als Fairtrade-Town beteiligt. Die Urkunde konnte am 28. September in Empfang genommen werden.
• Außerdem konnten wir im Oktober mit Vorträgen und einem Festgottesdienst das 650-jährige Bestehen der Spitalkapelle feiern.

Was gibt es sonst noch zu berichten?

• Seit April verstärkt Pfarrer Robert Widmann die pastorale Arbeit in Weil der Stadt als Ruhestandsgeistlicher.
• Bei der Second-Hand-Kleideraktion im Frühjahr und Herbst wurden wiederum neue Erlösrekorde erzielt. Es wurden jeweils mehr als 10.000 € für soziale Zwecke eingenommen, mit denen viele Projekte in Weil der Stadt und weltweit unterstützt werden können. Wir danken allen Spendern sowie allen Helferinnen und Helfern für ihre ehrenamtliche Arbeit.
• Die Sternsingeraktion hat 2014 insgesamt über 38.000 Euro ergeben. Herzlichen Dank an die Organisatoren, Kinder und Spender.
• Ein Umzug des Tafelladens wird derzeit vorbereitet. Die neuen Räume im Spital werden mit Unterstützung von Auszubildenden im Rahmen eines sozialen Projektes der Firma Daimler renoviert. Herzlichen Dank auch hier an alle ehrenamtlich Tätigen und die Bitte an Sie, spenden Sie weiterhin haltbare Lebensmittel und Drogerieartikel für den Tafelladen.
• Auch unser Türmer Willi Bothner sammelt fleißig Gelder für eine Renovierung der alten Türmerstube. Herzlichen Dank an Herrn Bothner für sein Engagement.
• Die Restauration von sakralen Gegenständen konnte fortgesetzt werden. Dieses Jahr wurden u.a. einige Rosenkranzleuchter in der Spitalkapelle restauriert. Herzlichen Dank für die vielen kleinen und großen Spenden.
• Es gab auch personelle Veränderungen. Wir danken der jahrelangen Mesnerin Frau Viola Sautter für ihren treuen und überaus engagierten Dienst in unserer Stadtkirche St. Peter und Paul. Seit September ist Frau Kristina Bogar aus Merklingen als ihre Nachfolgerin tätig.
• Ebenfalls ein herzlicher Dank gilt Romana Walter, welche nach 16 Jahren als Kirchenpflegerin eine neue Arbeitsstelle angenommen hat. Frau Walter hatte sich ein umfassendes Wissen angeeignet und ihren Dienst sehr kompetent versehen. Dieses Wissen wird uns erst einmal fehlen. Als Nachfolgerin konnten wir Frau Sandra Buckley aus Ostelsheim gewinnen.
• Unsere Erzieherinnen haben sich unter der Leitung von Frau Escher-Ostermeir sehr um die Weiterentwicklung unseres Kindergartens St. Christophorus eingesetzt und die Überlegungen an einem Neukonzept im Rahmen eines eventuellen Neubaus vorangebracht.

Nun noch ein paar Worte zu den KGR-Wahlen in 2015
Am 15. März des kommenden Jahres finden wieder KGR-Wahlen statt. „Der Kirchengemeinderat ist die Vertretung aller Katholiken der Kirchengemeinde. Er trägt mit dem Pfarrer zusammen die Verantwortung für das Gemeindeleben und sorgt dafür, dass die Gemeinde ihre Aufgabe als Trägerin der Seelsorge wahrnehmen kann.“
So steht es in der Kirchengemeindeordnung (§16 bzw. 17 der KGO).
Die Wahlen 2015 sind der Auftakt zu einem großen Entwicklungsprozess der Kirche am Ort. Die Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart stellen hier die Weichen für eine Kirche der Zukunft, eine Kirche, die sich den lokalen Herausforderungen stellt, eine Kirche, die offen und zeitgemäß ist und am Ort hilfreich und heilsam wirkt.
Durch Ihre Kandidatur können Sie an dieser großen Herausforderung
mitwirken. Geben Sie der Kirche Ihr Gesicht. Gestalten Sie unsere Kirche, unsere Gemeinde hier am Ort mit. Es werden noch Kandidaten gesucht. Melden Sie sich beim Wahlausschuss, im Pfarrbüro oder bei einem der derzeitigen KGR-Mitgliedern.
Nun noch ein kurzer Blick auf Zahlen in der Kirchengemeinde:

• Im abgelaufenen Jahr starben 51 Personen aus unserer Kirchengemeinde. Davon allein 33 in der Kernstadt.
• Die Austritte sind mit 45 wieder angestiegen.
• Auch die Zahl der Erstkommunionkinder und Firmlinge gehen weiterhin zurück.
• Leider werden es immer weniger Katholiken in St. Peter und Paul –  und wir sind nunmehr weniger als 5000 (genau 4994).

Zum Schluss möchte ich allen Haupt- und Ehrenamtlichen für ihren Ein¬satz mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ danken.
Besonders danken möchte ich unseren Pfarrern i.R. Helmut Nann und Robert Widmann, für die Übernahme von Gottesdiensten, Herrn Pfarrer Anton Gruber und dem gesamten Pastoralteam, der Pfarrsekretärin und deren Vertreterin, den beiden Kirchenpflegern, den Erzieherinnen im Kindergarten St. Christophorus, den Leitern der Chöre, den Organisten und den Mesnerinnen und Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen, deren Vertretungen, den Ministranten sowie den KGR-Mitgliedern und den Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse.
Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr 2015 viel Kraft und Freude, Gesundheit an Leib und Seele sowie den Willen zu einem guten, vertrauensvollen Miteinander.

Albert Heimpel, 2. Vorsitzender des KGR