Bericht 2013

Jahresrückblick 2013


Liebe Mitglieder der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Weil der Stadt und Maria Königin in Merklingen.
In wenigen Stunden ist schon wieder ein ereignisreiches Jahr vorüber!
Es wurde von schrecklichen Geschehnissen überschattet. Nach heftigen Regenfällen traten weltweit immer wieder Flüsse über die Ufer, wie hier in Deutschland die Elbe und die Donau und richteten große Verwüstungen an. Hinzu kamen noch vermehrt Wirbelstürme, wie zuletzt Xaver. Keiner richtete jedoch so großen Schaden an, wie der Taifun Haiyan auf den Philippinen. Der stärkste Taifun, der seit unseren Aufzeichnungen je auf Land getroffen ist, tötete über 5000 Menschen und fast 2000 werden noch vermisst. Täglich werden auf den beiden Inseln Samar und Leyte weitere Tote geborgen. In Deutschland wurde die höchste Spendensumme seit Jahren aufgebracht. Es wird jedoch über Jahre hinweg noch viel Geld für den Wiederaufbau gebraucht werden.
Im Mittelmeer vor Lampedusa spielen sich immer wieder neue Tragödien ab. 300 Flüchtlinge aus Afrika starben im Oktober, als ihr überladenes Boot sank. Wie viele bereits insgesamt umgekommen sind, kann man nur ahnen, denn sie kommen zu Tausenden in Booten über das Mittelmeer, in Lieferwagen, mit dem Zug oder per Bus aus Griechenland und Italien gen Norden: Die Flüchtlinge aus den Staaten des arabischen Frühlings oder Bürgerkriegsländern, wie z.B. Syrien stranden im wohlhabenden Teil von Europa. Es gibt viele Gründe für ein Verlassen der Heimat. Hinter allem steht jedoch die Sehnsucht der Verfolgung und Armut zu entfliehen, die Sehnsucht nach einem besseren Leben. Deutschland kann sie nicht alle aufnehmen, aber doch weitaus mehr als derzeit! Weisen wir sie nicht ab! Nehmen wir sie in unsere Gesellschaft auf! Lassen wir sie schnellstens arbeiten, denn das wollen diese Menschen! Sie wollen uns nicht auf der Tasche liegen! Sie wollen nur, dass ihre Würde gewahrt bleibt - und schätzen wir uns glücklich, dass wir hier in Deutschland seit nunmehr 68 Jahren ohne Krieg und Verfolgung leben dürfen!
Am 22. September waren Bundestagswahlen. Die CDU/CSU erreichte zwar einen großen Wahlsieg, jedoch reichte es nicht zur absoluten Mehrheit. In langwierigen Verhandlungen kam es Mitte Dezember zur Bildung der „Großen Koalition“. Hoffen wir, dass es eine stabile Regierung für die nächsten 4 Jahre ist und Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden. Deutschland braucht Reformen im Rentensystem und Anpassungen der Löhne im Billiglohnbereich, damit nicht die nächsten Generationen die Zeche bezahlen müssen und selbst auch noch gut leben können!
Überraschend hat Papst Benedikt XVI. am 11. Februar angekündigt, sein Amt Ende Februar niederzulegen. War es ausschließlich seine Gesundheit, die ihn zu diesem Schritt bewog, oder gab es Machtkämpfe im Vatikan, für die er nicht mehr die Kraft hatte? Die Kardinäle einigten sich im Konklave schnell auf einen Nachfolger. Jorge Mario Bergoglio wurde am 13. März zum neuen Papst Franziskus gewählt. Er ist der erste Lateinamerikaner und Jesuit in diesem Amt. Sein Credo ist eine Kirche für die Armen zu sein, mehr Hilfe den Bedürftigen zu geben und Barmherzigkeit zu üben. Er will eine einfache Kirche und keine Prunksucht wie beispielsweise in Limburg. Papst Franziskus macht durch seine Reformanstrengungen und seinen bescheidenen Stil auf sich aufmerksam und ist deshalb vom Magazin „Times“ zum Menschen des Jahres gewählt worden.
War die Enzyklika „lumen fidei“ (Licht des Glaubens) noch stark von seinem Vorgänger Benedikt XVI. geprägt, so lassen doch ein veröffentlichtes Interview und sein apostolisches Schreiben „evangelii gaudium“ (die Freude des Evangeliums) hoffen, dass er die Umgestaltung der Kirche mit aller Kraft angehen will und eine Neuausrichtung der Seelsorge anstrebt. Er ruft uns alle zur Verkündigung des Evangeliums auf. Er will eine barmherzige Kirche schaffen, die die Armen integriert. Beten wir, dass dieser Weg ein erfolgreicher Weg wird!
In Deutschland gibt es auch schon kleine Zeichen der Veränderung. So hat der scheidende Erzbischof Zollitsch mit seiner „Handreichung“ einen Impuls gegeben, sich einer Verbesserung der Situation der wiederverheirateten Geschiedenen anzunehmen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist der Dialogprozess dieses Jahr abgeschlossen worden. Hoffen wir, dass Schwerpunktthemen, wie Laienarbeit, die Rolle der Frau in der Kirche und der barmherzige Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen nicht wieder in Vergessenheit geraten, weil unser Bischof keinen Alleingang der Diözese angehen will. Etwas mehr Reformeifer täte gut!
Anders in der Seelsorgeeinheit (SE), hier sind wir wieder einen Schritt vorangekommen:
•  Wir haben jetzt einen gemeinsamen Gemeindebrief, den „Blickwinkel“ mit einem neuen Redaktionsteam.
• Die Kirchengemeinderäte von Grafenau und Weil der Stadt haben auf einer Klausurtagung im Februar in Hoheneck sich mit Zielen und der pastoralen Arbeit in der SE beschäftigt.
• Im September konnten wir das Jubiläum „200 Jahre St. Leonhard“ in Dätzingen feierlich begehen.
• Die Gemeindereise führte dieses Jahr nach Peru, wo die Kirchengemeinde seit vielen Jahren in Arequipa verschiedene Einrichtungen von Unamonos, einer Stiftung für bedürftige Kinder und Jugendliche, unterstützt. Wir konnten uns von der guten Arbeit, dort selbst überzeugen. Außerdem haben wir auch die segensreichen Polikliniken von Pater Schmidpeter besucht.
• Papst Franziskus verkündet „Aufbruch und Öffnung nach Außen“. In diesem Sinne wollen wir in der SE mit unserem Pilgerweg zu den Menschen gehen, da sie immer weniger zu uns kommen. So standen an 4 Samstagen Stationen beim Schäfer, den Vogelkundlern, dem Angelverein und beim Imker auf dem Programm.
• „Gott findet man im Gehen, auf dem Weg“. Am diesjährigen Pilgertag des Dekanats folgten fast 100 Personen dem Martinusweg von Weil der Stadt über Merklingen nach Malmsheim. Sie wurden von Weihbischof Renz und hohen Vertretern der Politik aus Regierungspräsidium, Landkreis und Stadtverwaltungen begleitet (s. Artikel im Blickwinkel).
Im Kirchengemeinderat (KGR) haben wir uns 2013 mit folgenden Themen beschäftigt:
• Ein Schwerpunkt bildeten die Überlegungen zu den sanierungsbedürftigen Gebäuden Kindergarten und Gemeindehaus, nachdem die Keppler-Stiftung Interesse gezeigt hatte, diese in ihr geplantes Projekt „Neubau eines Pflegeheims“ als Mehrgenerationenhaus zu integrieren. Dazu wurden ähnliche Einrichtungen besichtigt, ein Informationsabend zum Thema „Familienzentrum“ veranstaltet und in mehreren Sitzungen, mit großem Bürgerinteresse, die Anforderungen, Wünsche und Vorstellungen der Beteiligten beraten. Seitens des Bischöflichen Ordinariats erhielten wir die Anerkennung, dass Weil der Stadt einen neuen Kindergarten und ein neues Gemeindehaus benötigt. Zwischenzeitlich scheint eine Lösung auf den Brühlwiesen möglich zu sein, jedoch ohne die Integration des Gemeindehauses. Sobald konkrete Vorstellungen vorhanden sind, werden wir diese in einer Gemeindeversammlung vorstellen.
• Ein weiterer Schwerpunkt waren die Ausschreibungen und Vergabe der Gewerke zur Sanierung der beiden Osttürme von St. Peter und Paul. Die Arbeiten haben zwischenzeitlich begonnen und werden noch bis in das Frühjahr andauern.
• Auch theologische Arbeit wurde im vergangenen Jahr geleistet. Wir hatten auf Einladung des ökum. KGRs einen Referenten des kath. Bibelwerkes Stuttgart zum Thema „Bibelarbeit“ bei uns und befassten uns außerdem mit Texten und Gedanken unseres neuen Papstes Franziskus.
Was gibt es sonst noch zu berichten?
• Anfang April konnten wir das 40-jährige Priesterjubiläum von Pfarrer Nann feiern. Nur dank seiner Mitarbeit ist es möglich die derzeitigen Gottesdienste an den verschiedenen Orten aufrecht zu erhalten. Dafür sagen wir von Herzen „Vergelt’s Gott“.
• Die Second-Hand-Kleideraktionen im Frühjahr und Herbst haben wiederum neue Erlösrekorde erbracht. Es wurden jeweils mehr als 10.000 € für soziale Zwecke eingenommen, mit denen viele Projekte in Weil der Stadt und in den verschiedenen Kontinenten unterstützt werden können. Wir danken allen Spendern sowie allen Helferinnen und Helfern für ihre ehrenamtliche Arbeit.
• Der Tafelladen wird sehr gut angenommen. Die Notwendigkeit der Einrichtung wird an zwischenzeitlich über 140 sog. „Bedarfsgemeinschaften“, die eine Einkaufsberechtigung haben, deutlich. Herzlichen Dank auch hier an alle ehrenamtlich Tätigen und die Bitte an Sie, spenden sie weiterhin haltbare Lebensmittel und Drogerieartikel für den Tafelladen.
• Bei der diesjährigen 72-Stunden-Aktion konnte mit über 90 Helfern ein neuer Grillplatz auf dem alten Sportplatz errichtet werden. Vielen Dank an die Spender von Material und die vielen fleißigen Helfer sowie der Stadtverwaltung für die Übernahme der Pflege des Grillplatzes.
• Seit dem 1. Mai haben wir einen Türmer für die Stadtkirche. Im historischen Gewand steigt Willi Bothner mit Besuchern auf den Turm hinauf und erzählt dabei allerlei Wissenswertes über Kirche und Stadt. Mit den Erlösen wollen wir die ehemalige Türmerstube zu einem kleinen Museum umgestalten. Herzlichen Dank an Herrn Bothner für seine Idee und das Engagement.
• Die Gottesdienste in St. Peter und Paul werden seit November live im Internet übertragen. So können Behinderte, Kranke oder andere Gläubige am Gottesdienst teilhaben.
• Die Restauration von sakralen Gegenständen konnte dieses Jahr abgeschlossen werden. Sie sind keineswegs Ausstellungsstücke, sondern bei bestimmten Feierlichkeiten in Gebrauch. Die Stiftung von Pfarrer Helmut Nann hat die Restaurierung des letzten und ältesten Kelches aus dem Ende des 14. Jahrhunderts mit einem Teilbetrag abgesichert und auch die Kosten für den Einbau einer Zwischendecke gegen Fledermauskot im südlichen Ostturm übernommen. Herzlichen Dank für die vielen kleinen und großen Spenden.
• Die Sanierung des Jugendraumes im Gemeindehaus St. Augustinus konnte abgeschlossen werden. Herzlichen Dank an die Jugendlichen und weiteren Helfer, die sich mit viel Zeit und Engagement an der Umgestaltung beteiligt haben.
• Unser Kindergarten St. Christophorus hat im August durch die IHK die Plakette „Haus der kleinen Forscher“ erhalten. Damit wurde die spielerische, naturwissenschaftliche Projektarbeit mit den Kindern ausgezeichnet. Vielen Dank an Frau Escher-Ostermeir und die Erzieherinnen für ihre Ideen und die jahrelange sehr gute Arbeit mit den Kindern im Vorschulbereich.
Nun noch ein kurzer Blick auf Zahlen in der Kirchengemeinde:
• Im abgelaufenen Jahr starben 70 Personen aus unserer Kirchengemeinde. Davon allein 46 in der Kernstadt.
• Die Austritte waren mit 36 gleich hoch wie im Jahr zuvor - trotz Tebartz-van Elst. Es gab zwar einen kräftigen Anstieg der Austritte im September und Oktober, jedoch nicht so stark wie zuvor beim Kindesmissbrauchsskandal.
• Die Geburten und der Zuzug von Neubürgern reichen jedoch nicht aus, um den Bestand an Katholiken von St. Peter und Paul zu erhalten. Dieser sank seit 2000 um 625 auf nunmehr 5050. Das ist ein Minus von 11%. Allein in der Kernstadt sind es 563 Katholiken weniger. Auch in den Teilorten gehen die Katholikenzahlen stetig zurück, jedoch wesentlich langsamer. Die geringere Zahl an Katholiken schlägt sich natürlich auf Dauer auch bei den Zuweisungen der Kirchensteuer an die Gemeinde aus.
Zum Schluss möchte ich allen Haupt- und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ danken.
Besonders danken möchte ich noch Herrn Pfarrer i.R. Helmut Nann, Herrn Pfarrer Anton Gruber und dem gesamten Pastoralteam, der Pfarramtssekretärin und deren Vertreterin, den beiden Kirchenpflegern, den Erzieherinnen im Kindergarten St. Christophorus, den Leitern der Chöre, den Organisten und den Mesnerinnen und Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen, deren Vertretungen sowie den KGR-Mitgliedern und den Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse.
Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr 2014 viel Kraft und Freude, Gesundheit an Leib und Seele sowie den Willen zu einem guten, vertrauensvollen Miteinander.
Albert Heimpel, 2. Vorsitzender des KGR