Bericht 2010

Jahresrückblick 2010


Liebe Mitchristen von St. Peter und Paul in Weil der Stadt, Maria Königin in Merklingen und allen Teilorten,

wie auch in den vergangenen Jahren möchte ich als 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderates einen Blick auf das vergangene Jahr werfen.

Die Medien überschreiben das Jahr 2010 als Katastrophenjahr. Kein Wunder, wenn man die katastrophalen Erdbeben in Haiti, Chile und in anderen Regionen der ganzen Welt betrachtet, bei denen mehr als 250 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Oder an die riesige Flutkatastrophe in Pakistan, wo mehr als 2 Millionen Menschen obdachlos wurden. Oder an den Vulkanausbruch in Island, der mehrere Wochen den Flugverkehr in Europa stark beeinträchtigte oder gar lahm legte. Beim Ausfall eines Fliegers entstehen meist nur terminliche Probleme. Nach  Erdbeben und Überschwemmungen brauchen die Menschen sofort Hilfe und langfristige Unterstützung. Zudem trifft es immer wieder die ärmsten Regionen unserer Welt am schwersten. Wir Deutschen haben für die Betroffenen wiederum sehr viel gespendet. Doch ist das Geld oft noch nicht bei den wirklich Bedürftigen angekommen. Staatliche Strukturen, undurchsichtige oder korrupte Regierungen verhindern manchmal die direkte Hilfe. Trotzdem ist es eine Christenpflicht weiterhin bei der täglichen Versorgung, der Linderung von Not und bei dem Wiederaufbau zu helfen.

In Deutschland hat sich die wirtschaftliche Situation wieder erheblich gebessert. Dank staatlicher Stützungsmaßnahmen, erheblicher Zugeständnisse und Einbußen von Mitarbeitern in den Firmen, z.B. durch Kurzarbeit, konnte die weltweite Krise hierzulande schneller überwunden werden als noch vor Jahresfrist geglaubt. Die Zahl der Arbeitslosen ist unter die 3 Millionengrenze gesunken. Wobei man beachten muss, dass die Berechnung der Zahlen für die Statistik immer wieder angepasst wird, um erfolgreicher zu erscheinen. Gibt es doch noch weitere 2,6 Millionen Menschen, sog. „andere ALG-Empfänger“, die nur zu einem Teil in der Arbeitslosenstatistik erfasst werden.

Außerdem haben viele Beschäftigte nur einen Zeitarbeitsvertrag oder sind Geringverdiener bei denen der Verdienst nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt davon bestreiten zu können. Sie müssen deshalb noch einen Zweit- oder gar Drittjob annehmen, um über die Runden zu kommen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht kontinuierlich weiter auf. Immer mehr Personen haben ein Monatseinkommen von unter 929 Euro, was derzeit als Armutsgrenze für Alleinstehende gilt. Viele Menschen in Deutschland blicken jedoch hoffnungsvoll ins neue Jahr. Die verschiedenen Indizes für Konjunktur und Verbraucherklima zeigen nach oben und die Gewinne sprudeln wieder. Manche Firmen klagen bereits schon wieder über zu wenig Facharbeiter.
Im religiösen Bereich gibt es nach wie vor immer wieder große Diskussionen um Themen wie Empfängnisverhütung durch Kondome oder als Schutz vor der Menschheitsgeisel Aids. Die Äußerungen unseres Papstes hierzu werden mal positiv gedeutet, um dann sofort wieder total eingeschränkt zu werden. Kann hierzu endlich eine klare Aussage und eine Lockerung der antiquierten Kirchenmeinung erfolgen?

Auch die Fälle von Missbrauch und Misshandlung von Kindern in kirchlichen Einrichtungen war im vergangenen Jahr ein sehr zentrales Thema. Leider wurde hierbei durch die Medien nicht immer korrekt berichtet und selten auch eine Trennung zwischen Missbrauch und Misshandlung vorgenommen. Vor allem jedoch wurde bei diesem Thema sehr stark auf die katholischen Einrichtungen abgehoben, bei welchen solche Vorkommnisse in den letzten 30 Jahren leider zu häufig geschehen sind. Rächt sich nunmehr die übertriebene Hervorhebung der Moral in der Kirche und die Vorbildfunktion des Priesteramtes?
Unser Mitgefühl gilt den Opfern und es ist dringend eine schnelle, jedoch sensible Aufarbeitung notwendig. Die Forderung einiger Opfer nach einer hohen finanziellen Entschädigung kann nicht die erlittenen Qualen ausgleichen, sondern es ist auch eine entsprechende Unterstützung durch psychologische Maßnahmen bei der Aufarbeitung notwendig. Vor allem jedoch müssen Regeln geschaffen werden, um eine Wiederholung möglichst auszuschließen. Die erfolgte Verschärfung der Meldepflicht von entsprechenden Vergehen und die schnellere Einschaltung der Staatsanwaltschaft ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Schutz der Betroffenen, der Opfer als auch der Täter, sollte jedoch dabei immer beachtet werden.

Nach diesem Blick auf globale Ereignisse und die Weltkirche möchte ich nun den Blick auf unsere Kirchengemeinde werfen.
Im Frühjahr haben wir einen neuen Kirchengemeinderat (KGR) gewählt. Es haben sich dankenswerterweise wieder ausreichend Gemeindemitglieder zur Wahl gestellt, gemäß dem Motto „Dabei sein“. Sie wollen ihre Fähigkeiten, ihre Kraft und ihre Freizeit für die Gemeinde zur Verfügung stellen. Dafür herzlichen Dank, auch denjenigen, welche nicht in das Gremium gewählt wurden.
Für Hausen / Münklingen und Merklingen wurden die bisherigen KGR-Mitglieder in ihrem Amt bestätigt. In Weil der Stadt ist die Hälfte der bisherigen Mitglieder ausgeschieden und es sind 5 neue Mitglieder in das Gremium eingezogen. Auch Simmozheim wird durch einen „Neuen“ vertreten. Inzwischen haben auch die jeweiligen Ausschüsse ihre Arbeit aufgenommen.

Das wichtigste Ereignis in 2010 war jedoch, dass wir mit Pfarrer Anton Gruber endlich einen neuen Leiter der Gemeinde erhalten haben. Nach vier Jahren Vakanzzeit, mit der einjährigen Unterbrechung durch Pfarrer Sellinger, konnten wir am 03. Oktober die feierliche Investitur feiern.

Bereits im Juni hatten die KGR’s der Seelsorgeeinheit (SE) von Weil der Stadt und Grafenau Anton Gruber zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Pfarrer Gruber möchte die Aktivitäten in der SE ausbauen und gleichartige Aufgaben zusammenführen. Er möchte seinem Auftrag die Seelsorgeeinheit mit Leben zu füllen nachkommen und dabei seine Erfahrungen von seiner SE Lautertal (Dienstsitz Donzdorf) einbringen.

Mit der Einweihung des Seniorenzentrums Haus Michael in Merklingen ergeben sich weitere Aufgaben für Hauptamtliche und Ehrenamtliche. Die dortige Hauskapelle soll ökumenisch genutzt werden und es soll möglichst häufig ein Gottesdienst oder eine Wortgottesfeier angeboten werden. Derzeit können wir solchen Wünschen noch nachkommen, da wir durch die Anwesenheit von Pfarrvikar Gerhard Huber noch gut besetzt sind. Dies wird sich jedoch nach dem Sommer 2011 wieder ändern. Bis dahin hat er alle seiner Prüfungen abgelegt und kann dann eine eigene Gemeinde in der Diözese übernehmen. Wir danken ihm sehr für die bisherige Arbeit und hoffen, dass sein Wirken hier in Weil der Stadt weiterhin so wohltuend und erfolgreich sein wird.

Nun noch ein kurzer Blick auf Zahlen in der Kirchengemeinde:
Die Taufen sind in 2010 stark rückläufig gewesen und haben mit 34 fast den niedrigsten Wert der letzten 10 Jahre angenommen. Ebenso sind die Zahl der Trauungen von einem Höchststand mit 25 im Jahr 2009 auf 15 zurückgegangen. Die Anzahl der Erstkommunionkinder ist auf 51 gesunken und auch die Firmlinge waren mit 35 rund ein Drittel weniger als im Vorjahr.
Trotz aller negativer Meldungen und Diskussionen um die Missbrauchsfälle in der kath. Kirche sind die Austritte nicht so explodiert, wie es noch zur Jahresmitte aussah, denn bis Juli hatten wir schon so viele Austritte wie im gesamten Jahr zuvor. Mit der Gesamtzahl von 57 Austritten setzte sich jedoch der negative Trend der vergangenen 4 Jahre verstärkt fort. In 2006 waren es nur 26 Austritte; aber es gibt immerhin auch zwei Eintritte in die kath. Kirche zu vermelden.

Die Katholikenzahl hat sich im Jahr 2010 zum ersten Mal seit 2000 um 23 auf 5348 ganz leicht erhöht. Die Erhöhungen ergaben sich, überwiegend durch Zuzug, in Weil der Stadt selbst und in Merklingen.
Ganz traurig sieht es jedoch mit der Zahl der Kirchenbesucher aus. Diese sind nach einem kontinuierlichen Anstieg in den 90er Jahren auf ein Hoch von 850 an einem Sonntag nunmehr seit 2003 stetig gefallen und haben sich mit 430 fast halbiert. Wir hoffen, dass wir durch die Besetzung der Pfarrstelle diesen Trend wieder umkehren können und neuer Schwung in die Gemeinde einkehrt.
Zum Schluss möchte ich allen ein herzliches Vergelt’s Gott sagen, welche hauptamtlich oder ehrenamtlich mitarbeiten und ihr Wissen, ihr Können und ihre Fähigkeiten dort einbringen, wo sie gebraucht werden.

Besonders danken möchte ich noch Herrn Pfarrer i.R. Helmut Nann, Herrn Pfarrer Anton Gruber, Herrn Pfarrvikar Herbert Gube, Herrn Pfarrvikar Gerhard Huber, unserem Administrator Herrn Dekan Karl Kaufmann, den beiden Pastoralreferenten, der Pfarrsekretärin, den beiden Kirchenpflegern, den Erzieherinnen im Kindergarten St. Christophorus, den Leitern der Chöre, den Organisten und den Mesnern der verschiedenen Kirchen und Kapellen sowie den KGR-Mitgliedern und den Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse.
Ihnen allen und der ganzen Gemeinde wünsche ich für das kommende Jahr 2011 viel Freude und Kraft, Gesundheit an Leib und Seele sowie offene Herzen für das Neue, das auf uns zukommt. Seien wir Willens zu einer guten Zusammenarbeit. Schenken wir einander Vertrauen und beten wir, dass wir mit unserem neuen Leiter der SE, unserem Pfarrer Anton Gruber, in eine gute und erfolgreiche Zeit hinein gehen.

Albert Heimpel, 2. Vorsitzender des KGR